Vereinte Kraft versetzt Berge

Auch wenn man schon vor anderen Menschen viele Vorträge gehalten hat, ist es etwas komplett anderes, als Botschafterin vor einer Klasse zu stehen. Diesmal ging es eben nicht um meine Arbeit…

Viele Fragen schwirrten mir in dem Kopf: Was wird die SchülerInnen interessieren? Wird es eher das Interview mit Oma sein, welches ich komplett für die Stunde übersetzt habe? Wird es eher meine eigene Erfahrung als jüdischstämmige sein? Oder doch die ihnen unbekannte Geschichte und Kultur Bulgariens, die zur Rettung der bulgarischen Juden geführt haben? Kann man sich darauf überhaupt vorbereiten? Die Fakten sind mir entweder bekannt oder ich habe sie recherchiert, aber was ist mit deren Interpretation oder die eigene emotionale „Ladung“?

Ich war sehr, sehr aufgeregt, denn ich wollte möglichst viel als Basis für Nachdenken und Diskussion liefern.

Angefangen haben wir mit meiner Vorstellung sowie meine Motivation, am Projekt als Botschafterin teilzunehmen: Wir sind alle Zeitzeugen!

Daraufhin hat Philipp das Interview mit Oma vorgelesen, dafür bin ich ihm sehr dankbar! Für mich persönlich wäre es ansonsten zu schwer (rein emotional) geworden, zum Hauptthema zu kommen – die Erfahrung von Oma ist eine gute Einführung darin. Das „Etikett“ kann man beliebig austauschen: statt „Judentum“ könnte „Migrationshintergrund“, „Behinderung“, „Homosexualität“ oder was auch immer stehen. Die Frage ist, wie man mit den Menschen – trotz „Etikett“ – umgeht.

Genau das zeigt die Erfahrung meiner Oma: Auch wenn sie sehr schwere Zeiten erlebte, sie erinnert sich sehr gut daran, wie sie die Menschen behandelten, die sie während ihrer Deportation in Razgrad kennenlernte: die Lehrerin, die Kinder in ihrer Klasse, die bulgarische und die türkische Familie, bei denen sie gelebt haben, die gute Nachbarin, die sich selbst in Gefahr brachte, um mit ihnen, den Kindern, trotz Ausganssperre zu spazieren. Wie sie selbst sagt: „Wir gerieten an gute Menschen mit guten Herzen.“ Darum geht es mir.

Als Überleitung erinnerte Philipp kurz an das Milgram-Experiment, welches zuvor ein Thema im Unterricht gewesen sei. Daraufhin widmeten wir uns der Kultur und der Geschichte Bulgariens, die uns, BulgarInnen, zu „Dickschädel“ machen, die die eigene Meinung immer stark vertreten und Autoritäten selten ernst nehmen. Die SchülerInnen waren sehr interessiert, sie überlegten aktiv mit, was die von mir und Anni (als Bulgarin natürlich unterstützend) erzählten Geschichten ihnen sagen wollen.

Besonderen Eindruck schien eine Episode der bulgarischen Geschichte zu hinterlassen: Im März 1943 war ein Zug mit versiegelten Waggons aus Thessaloniki in Kjustendil eingetroffen, der von deutschen Soldaten schwer bewacht wurde. Man konnte wohl nichts von dem Inneren sehen, die verzweifelten Schreie der darin Eingesperrten ließen wohl aber keine Zweifel darüber. Daraufhin sammelten sich die Bauer, die in der Nähe der Gleise wohnten, jeder bewaffnet mit dem, was er finden konnte. Sie wollten die Waggons zerschlagen und die Unglücklichen befreien.

Ein Schüler überlegte, wie viele sich trauen würden, selbst in Gefahr zu geraten, wenn es um Bekannte (wie beispielsweise Nachbarn) gehen würde. Anni wies darauf hin, dass es eine noch offenere Frage ist, wie viele sich trauen würden, die Regeln zu brechen, wenn es sich, wie in diesem Fall war, um komplett Unbekannte handeln würde.

Weiterhin erzählte ich die geschichtlichen Fakten, die zur gesamtgesellschaftlichen Bewegung zur Rettung der bulgarischen Juden führten.

Da ich glaube, dass dies keine spezifische Eigenschaft von BulgarInnen ist und dass alle Menschen so mutig handeln können, wählte ich bulgarische Sprichwörter, die die für mich drei wichtigsten Gründen hervorheben. Die SchülerInnen überlegten, die von mir nicht im Voraus erwähnten Gründe richtig zu benennen.

  • Wer ein Messer rauszieht, stirbt an einem Messer.
  • Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
  • Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu.
  • Wie man in dem Wald ruft, so schallt es heraus.
  • Ein sanftes Wort öffnet eiserne Tore.

(Umgang mit Anderen)

  • Wie du dir das Bett machst, so wirst du darin ruhen.
  • Die Reben brauchen eine Hacke, keine Gebete.
  • Dem Wolfe ist der Nacken dick, weil er seine Arbeit alleine erledigt.
  • Was du säst, das wirst du ernten.
  • Nichts fällt vom Himmel.

(Eigenverantwortung)

  • Wenn du was bekommen willst, lerne zu geben.
  • Willst du lange leben, so öffne dein Herz.
  • Eine Schwalbe macht keinen Frühling.
  • Vereinte Kraft versetzt Berge.

(Bedeutung der Gesellschaft)

Ich bedanke mich herzlich bei allen, die an der Stunde teilgenommen haben – an Anni und Philipp für die tolle Unterstützung und and alle SchülerInnen: Ihr habt mich zu noch mehr Nachdenken gebracht, hoffentlich ich Euch auch!

Mir war klar, dass die Zeit ggf. nicht für alles ausreichen würde, aber es ging und geht mir darum, den Anfang zu machen. Diejenigen, die interessiert sind, können sich danach selbstständig vertiefen – besonders, wenn sie sich meine Botschaft zu Herzen genommen haben:

Wir sind alle Zeitzeugen! Jeder kann einen wertvollen Beitrag leisten!


Text: Elisara


Die Kinder von Myanmar

Das Hauptthema dieser Begegnung mit SuS der fünften Klasse waren die Kinderrechte. Das ist ein sehr umfangreiches Thema. In wenigen Ländern der Welt werden die Kinderrechte eingehalten und respektiert. In einem kommunistischen Land aufgewachsen, hatte ich selbst keine Kinderrechte genossen. Und es ist mir wichtig, dass es den neuen Generationen bewusst wird, dass deren Rechte keine Selbstverständlichkeit sind. Ein gutes Beispiel für ein Land mit fehlenden Kinderrechten ist Myanmar. Ich habe selbst dieses ostasiatischen Land besucht und teilte im Unterricht meine Eindrücke mit den SchülerInnen.

Anhand von Bildern wurden der SchülerInnen die Lebensumstände der Kinder in Myanmar geschildert. Die Kinder in diesem ostasiatischen Land leben in Armut, die Meisten ohne Zugang zu einer schulischen Ausbildung.  Oft müssen sie im frühen Alter ihre Familie verlassen, um in einem Buddhistischen Kloster das Schreiben und Lesen lernen zu können. Für die meisten Kinder endet das Kindsein in einem Alter von vier oder fünf Jahren. Dann fangen sie an zu arbeiten – an Häfen, in Restaurants, in Fabriken, im Straßenbau, etc.

Die SchülerInnen sollten anhand der Bilder und diesen Schilderungen erkennen, welche Kinderrechte in Myanmar verletzt werden.  Die SchülerInnen waren auf das Thema vorbereitet und haben sich sehr schnell und richtig orientiert.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Danach behandelten wir die Frage:

Warum leben diese Kinder so?

Einige der Hauptgründe sind die politische Lage, das fehlende Sozialsystem, der Armut.

Bei dieser Diskussion wurde auffallend, dass einige der SchülerInnen die ganzen Probleme der Kinder von Myanmar auf das Geld zurückführten und ihre Eltern als Geringverdiener bezeichneten. Denen war es nicht bewusst, dass die Gesellschaften anderer Länder auf unterschiedliche Prinzipien aufgebaut sind. Und dass die Kinderrechte nicht überall auf der Welt gegeben und eine Selbstverständlichkeit sind.

Demzufolge finde ich es notwendig, durch verschiedene Aktivitäten den SchülerInnen die Vielfalt der Länder zu zeigen und ihnen bewusst zu machen, dass für die Aufbewahrung der Demokratie und der Kinderrechte jeder von uns jeden Tag aktiv arbeiten muss.


Text: Maria Brauchle

Screenshot: Anni Velkova-Rehm


Kamerun und meine Mutter

Ich habe zum ersten Mal bei diesem Projekt mitgewirkt bzw. mich als Botschafter zur Verfügung gestellt. Inspiriert an dem Projekt teilzunehmen hat mich die Möglichkeit, mit meiner persönlichen Geschichte und Erfahrungen einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Verständnis leisten zu können.

Der Schwerpunkt des Vortrages richtete sich auf die Frau in der Gesellschaft und Familie in Kamerun. Für mich stellt es ein sehr wichtiges Thema dar, da die Rolle der Frau bzw. Mutter oft unterschätzt wird, aber immens wichtig für die Gesellschaft ist. Zudem habe ich schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter gehabt. Bis heute hat mich ihre Erziehung sehr geprägt und ich bin ihr von Herzen dankbar – für das, was sie alles für mich getan hat.


Die Projektvorbereitung hat sehr gut geklappt und die Projektleitung hatte immer ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen. Mich hat es sehr gefreut, welches Interesse und welche Offenheit und Neugier die Schüler in Bezug auf kulturelle Fragen zeigten.


Text: Boris Kamdem
Bild: Persönliches Archiv von Boris Kamdem


Kopftuch – Symbol der Freiheit?!

Sehr geehrte Frau Velkova-Rehm, sehr geehrter Herr Dabi,

in dem folgenden Blogbeitrag würden wir, Larisa Homa und Emely Jansen, uns gerne für Ihren Besuch in unserer Klasse bedanken und Ihnen ein Feedback über den Austausch geben.

Vielen Dank von uns erstmal, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns über die Vielfalt aufzuklären. Wir finden es schön, wofür Sie sich einsetzen und wie viel Mühe Sie sich gegeben haben, den Austausch spannend zu gestalten. Wir haben alles gut nachvollziehen können, da Sie uns das Thema „Kopftuch“ gut näher gebracht haben. Ebenfalls fanden wir die anonymen Fragen gut, da man sich so getraut hat, eine ehrliche Antwort zu geben. Zudem sind Sie auf alle Fragen verständlich eingegangen.

Für den nächsten Austausch würden wir uns wünschen, das Thema „Stolpersteine“ zu besprechen. Warum sind diese Stolpersteine da? Was haben diese zu bedeuten? Wir finden dieses Thema sehr interessant, da es wichtig für die Bildung aller Kinder/Jugendliche ist, damit so etwas nie mehr vorkommt.

Seit dem Austausch, machen wir uns viele Gedanken über das Thema „Kopftuch“. Warum ist es in vielen Familien so wichtig, dass die Tochter ein Kopftuch trägt? Und warum gehen manche Familien so locker damit um, obwohl sie an die gleiche Religion glauben? Dies war eine Sache, die wir persönlich noch nicht ganz verstanden haben.

Zeichnung: Nele van Basten, Schülerin an der Gesamtschule am Forstgarten

Wir finden, dass im Alltag dieses Thema mehr normalisiert werden sollte. Wir können ebenfalls nicht nachvollziehen, warum Menschen mit Kopftuch heute noch, nach allem was schon passiert ist, diskriminiert werden. Es sollte in den Grundschulen schon normalisiert werden, damit Rassismus endlich ein Ende nimmt. Am Berufskolleg Kleve sollten Sie mit Ihrem Projekt in jedem Religionsunterricht einmal mindestens das Thema sein. Unsere Schule ist sehr tolerant gegenüber Frauen mit Kopftüchern, denn wir sehen immer wieder Schülerinnen mit Kopftuch, was wir persönlich super finden, allerdings sollte man trotzdem darüber sprechen und für Aufklärung sorgen. Ihr Projekt ist definitiv eine Bereicherung für unser Leben, da Sie mehr für Aufklärung sorgen und Menschen endlich toleranter werden könnten. Sie könnten einen Teil der Menschen umstimmen. Je mehr Menschen an Ihrem Projekt teilnehmen, desto mehr Auswirkungen hat dieses. Unsere Sichtweise hat dieser Austausch auf jeden Fall verbessert und wir wollen ebenfalls mehr Toleranz im Alltag sowie im Berufsleben und in den Schulen und Menschen sollten aufhören, Menschen die „anders“ leben, als Gefahr zu sehen. Dazu fällt uns ein, dass Sie vielleicht die Klischees aufklären könnten, wie zum Beispiel, dass Muslime Amokläufer wären. Wir finden es schade, dass in den Nachrichten immer nur „Ausländer“ schlecht dargestellt werden und die Deutschen meistens aus dem Internet rausgehalten werden, wenn etwas Schlimmes passiert ist.

Alles in einem würden wir sagen, dass der Austausch für uns wichtig und von Vorteil war und dass Sie eine super Präsentation über dieses ganze Thema gehalten haben.

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Emely Jansen und Larisa Homa


Text: Emely Jansen und Larisa Homa, Schülerinnen am Berufskolleg Kleve

Zeichnung: Nele van Basten, Schülerin an der Gesamtschule am Forstgarten


Warum ich die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt sehr schätze

Ich bin Annemarie Graven und Schülerin am Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve. Ich hatte das Glück, vor ein paar Wochen im Religionsunterricht zwei Botschafter/innen der Vielfalt kennen zu lernen: Zum einen Frau Velkova-Rehm und zum anderen Herrn Dabi. Im folgenden Beitrag möchte ich mehr über meine Erfahrung mit den Botschafter/innen erzählen.

Das Gespräch konnte auf Grund der aktuellen Corona Lage nur digital stattfinden, dennoch hat es mir sehr gut gefallen. Es war ein sehr offenes und ehrliches Gespräch.

Es wurde zunächst das Thema „Kopftuch“ behandelt. Herr Dabi klärte uns über das Tragen des Kopftuches auf und warum es in seiner Religion so wichtig sei. Für mich als Christin war es zuvor eher schwierig, dieses Handeln zu verstehen, doch nach vielen Überlegungen und Informationen, die Herr Dabi uns mitgeteilt hatte, wurden es immer deutlicher. Ich würde behaupten, dass viele aus meiner Klasse nun besser damit umgehen können und auch verstehen, warum muslimische Frauen das Kopftuch tragen wollen.

Frau Velkova-Rehm informierte uns über das allgemeine Projekt der BotschafterInnen der Vielfalt und mit welchem Hintergedanken sie sich an die Arbeit macht. Sie möchte durch dieses Projekt unter anderem dafür sorgen, dass es weniger Ausschließung durch den religiösen Aspekt an unseren Schulen gibt. Sie erklärte uns auch einzelne Projekte des Vereins Mifgash, zum Beispiel, das Projekt der Stolpersteine.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Pflastersteine, welche in der Klever Innenstadt, in Xanten, etc. zu sehen sind. In diesen Steinen sind Namen von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu sehen, um an diese immer wieder zu gedenken. Mich persönlich interessiert genau dieses Thema besonders, da es wichtig ist, diese Zeit niemals zu vergessen, um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Ich hoffe, dass ich Sie, liebe Blogleser/innen, davon überzeugen konnte, wie gut und wichtig die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt ist. Noch dazu ist es wichtig zu erwähnen, dass all diese Arbeit ehrenamtlich stattfindet. Ein Grund mehr, die Arbeit der BotschafterInnen besonders schätzen zu wissen!


Text: Annemarie Graven, Schülerin am Berufskolleg Kleve
Korrektur: Anni Velkova-Rehm

Bild zur Verfügung gestellt von Helga Ullrich-Scheyda


Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Mit dieser Frage habe ich mich gemeinsam mit ca. 22 SchülerInnen (alle fast volljährig und mit unterschiedlicher religiöser Herkunft) in einem Religionsunterricht am Berufskolleg Kleve auseinandergesetzt.

Zunächst gab ich wichtige Informationen zum Tragen des Kopftuchs in Zusammenhang mit dem Islam.

Das Kopftuch ist eine Pflicht im Islam und ein Gebot, aber es ist keine Säule des Islams.

Jede Frau sollte die Freiheit haben, sich für oder gegen das Tragen des Kopftuchs zu entscheiden.

Wie wir alle wissen, es gibt Gebote und Verbote in allen Religionen.

Beispiele für Gebote im Islam sind: Das Kopftuch, Liebe zum Propheten, Ehren der Eltern, Spenden etc.

Beispiele für Verbote im Islam: Alkoholverbot, Rauchverbot, gesundheitsschädliche Praktiken, etc.

In der Bibel – im Alten Testament – steht, dass  Frauen ihre Haare nicht zeigen sollten.

Viele Leute interpretieren das Kopftuch unterschiedlich:

  • Religionsfreiheit
  • Persönliche Entscheidung treffen
  • Zeichen von religiöser Zugehörigkeit
  • Ähnlich wie bei einem Fußballspiel: Fußball Fans, zum Beispiel, ziehen alle gleiche Kleidungsstücke an, um zu zeigen, dass sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen.
  • Einfach persönlicher Wunsch, Kopftuch zu tragen
  • Schmuck und Mode
  • Tradition und Kultur
  • Zwang

Religiöse Vorurteile sind leider immer noch oft ein Bestandteil unseres Alltags. In diesem Zusammenhang haben die SchülerInnen mitgeteilt:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

Die wichtigste Frage bleibt, was jeder von uns tun kann, um negative religiöse Vorurteile zu mindern oder zu vermeiden.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Wir leben in einer Gesellschaft der Vielfalt, und ich finde, es ist besonders wichtig, dass wir einander gegenseitig respektieren. Noch wichtiger finde ich, dass wir unsere unterschiedlichen Kulturen so viel wie möglich teilen und als Quelle der Vielfalt nutzen, um einander zu bereichern. Wir können zum Beispiel gemeinsam an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen und sogar vielfältige Festen zusammen feiern usw.

Dabei spielen eine wesentliche Rolle die Erziehung zuhause, im Kindergarten, in der Schule, auf der Straße und natürlich die Bildung.

Ob wir alle im Frieden leben oder nicht – Eltern und die gesamte Gesellschaft tragen dafür Verantwortung meiner Meinung nach.

Ein Grund mehr, an Sitzungen dieses Formats teilzunehmen. Über die Meldungen der SchülerInnen, was sie von der Begegnung mit mir mitgenommen haben, freue ich mich sehr. Für den offenen und fruchtbaren Austausch bedanke ich mich herzlichst bei allen Teilnehmenden!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Text: Hassan Dabi

Redaktion, Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Eine Begegnung zum Thema Zukunftswünsche und Lebensziele

 

Wann haben Sie sich zuletzt gefragt, welche Ihre Lebensziele sind?

Haben sich Ihre Ziele seit Ihrer Jugend geändert?

 

Diese und andere Fragen kamen auf mich zu, nachdem ich mich bereit erklärt hatte, als Botschafterin der Vielfalt in einem Präsenz-Unterricht über Zukunftswünsche an der Gesamtschule am Forstgarten teilzunehmen. Das war für mich eine sehr positive Erfahrung und ich hoffe auch für die SchülerInnen der 9. Klasse. Das Online-Treffen war eine Woche zuvor sorgfältig vorbereitet und an dem Tag des Unterrichts lief alles reibungslos. In diesem Blog-Beitrag möchte ich meine Erfahrungen den zukünftigen BotschafterInnen der Vielfalt mitteilen.

Anni Velkova-Rehm hatte mich eingeladen, als Botschafterin der Vielfalt an dem Projekt teilzunehmen. Diesen Vorschlag hatte ich mit großer Freude angenommen. Die Begegnungen mit Jugendlichen finde ich immer spannend. Besonders freue ich mich, wenn sie mit mir ihre Lebens-Ansichten teilen.

In der Vorbereitungsphase hatte ich durch Anni die folgenden Anregungen für unsere Begegnung von den SchülerInnen bekommen:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Die Frage, welche Ziele ich als Jugendliche hatte, hat als erste meinen Blick gefangen. Meine Gedanken gingen zurück zu meinen jugendlichen Jahren. Ich hatte damals eigentlich nur Lebensträume gehabt. Manche dieser Lebensträume sind in Erfüllung gegangen, ohne dass ich was Konkretes dafür getan hatte. Meine wirklichen Lebensziele hatte ich mir erst Jahre später gesetzt.

Was ist ein Lebenstraum?

Was ist ein Lebensziel?

Wann wird ein Lebenstraum zum Lebensziel?

Zu diesen Fragen konnte ich mehrere Beispiele aus meinem Leben geben.

Ich ging auch die anderen Fragen durch und notierte mir weitere Anregungen für die geplante Begegnung:

  • Wofür wird Mut gebraucht – um sich ein Ziel zu setzen oder um es zu erreichen?
  • Welche Fähigkeiten werden gebraucht, um ein Ziel zu erreichen?
  • Wodurch zeichnet sich ein guter Job aus?
  • Welche sind die Vorteile und die Nachteile des Lebens in einem kleinen Ort?
  • Herkunft und Minderwertigkeitsgefühl.
  • Was mir über den kurdischen Bergen und über die Kurden dort von einem Freund erzählt wurde.

Die Begegnung verlief wie ein Gespräch in einem Café. Anni moderierte das Treffen und folgte den vorbesprochenen Punkten. Zu jeder Frage erzählte ich aus meiner Lebenserfahrung. Und der Philosophie-Lehrer Philipp Giesinger gab Informationen, wie die einzelnen Begriffe theoretisch definiert sind und welcher Teil der Philosophie sich mit denen auseinandersetzt.

Die SchülerInnen waren das Publikum. In dem Fall war das ein aktives Publikum. Manchmal stellten sie ihre Fragen direkt, oder sie beantworteten die von Philipp geposteten Fragen im Chat. Wie z. B.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Ich merkte das Interesse der SchülerInnen als sie die Frage beantworteten: Welche Fähigkeiten werden gebraucht, um ein Ziel zu erreichen? Ich hatte nur zwei Gründe von mir aus genannt.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Interessant, dass bei der Frage „Was glaubt ihr: Wofür wird mehr Mut gebraucht –  um sich ein Ziel zu setzen oder um es zu erreichen?“ die Mehrheit sich genau anders als ich entschieden hatte.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

 

Das war für mich ein Zeichen, dass diese jungen Menschen ihre eigene Meinung haben, die nicht leicht zu ändern ist.

Mir ist aufgefallen: Noch können die Jugendlichen Lebensziele kaum erkennen – es sind häufig „nur“ Lebensträume, die selten von Selbsterkenntnis und strukturierter Planung getragen sind, sondern von Wünschen und Bildern. Das liegt daran, dass die SchülerInnen noch stark in von der Umwelt gesetzten Zielen leben – Lernzielen, Orga-Strukturen, schulischen Anforderungen. Hier gilt es Mut zu haben, in eine Prüfung zu gehen. Aber dieser Mut ist nicht der, den ich meine, wenn ich davon spreche, Mut zu haben sich wirklich ein Ziel zu setzen – abgeleitet vom Traum, mit Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis strukturiert und entwickelt.

 

Am Ende des Gesprächs zeigte ich ein paar Bilder von den kurdischen Bergen und Dörfern und gab die Erzählung eines Freundes, der dort als Tourist war, wieder.

Für mich war diese Begegnung sehr bereichernd. Es bereitete mir eine große Freude, dass die Jugendlichen Interesse am Unterrichts-Thema zeigten und bis zum Schluss aktiv blieben.

Ich hoffe, dass jeder der SchülerInnen etwas von meinen Erzählungen mitnehmen konnte, und dass sie nach diesem Treffen noch mehr Mut besitzen, sich große Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen!

Ich bedanke mich bei Anni und Philipp für die Einladung und die hervorragende Organisation!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Text: Maria Brauchle

Redaktion: Thomas Rehm

Bilder: Persönliches Archiv von Maria Brauchles Freund
Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Markt oder Menschlichkeit?

Das war das Thema und zugleich die Hauptfrage, mit der sich die SchülerInnen im Alter von 16 und 17 Jahren in einem Wirtschaftslehre-Unterricht am Berufskolleg Kleve auseinandersetzten. Eliana, Botschafterin der Vielfalt, erzählte von ihrem Leben in Afrika und auch von ihren Erfahrungen im Bereich des fairen Handels.

Welche ist die erste Assoziation, die Du mit fairem Handel machst?
Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Die Sitzung moderierten Jan Feldmann (Lehrperson) und Anni Velkova-Rehm (Leiterin des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“). Die Fragen an Eliana ergaben sich aus dem Interesse und Anregungen der SchülerInnen. So kommentierten die SchülerInnen den Unterrichtsverlauf:

Das fand ich gut an der Unterrichtsdurchführung
Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Von der „wahren Expertin“ Eliana wollten die SchülerInnen im Wesentlichen wissen: Was hat sie bewogen, sich mit fairem Handel zu beschäftigen? Was meint sie mit den Begriffen „Alt- und Neokolonialismus“? Welche Erfahrungen hat sie mit fairem Handel gemacht? Und nicht zuletzt: Was ist fair und was ist unfair beim „Fairtrade“? Gibt es überhaupt wirklich fairen Handel?

Eliana verwies auf konkrete Beispiele, wie sie die Ausbeutung Afrikas erlebt hat und sensibilisierte so u.a. für die Abhängigkeit Ghanas vom EU-Markt, ebenso wie diese Abhängigkeit zu Lasten der Umwelt und der Menschen geht. Außerdem erklärte sie mit Blick auf ihre eigene Erfahrung mit fairem Handel die Herausforderungen in diesem Bereich.

Die Resonanz zur Sitzung war sehr positiv. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Eliana für Ihre Unterrichtsteilnahme!


Text, Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Was bist du?

„Was bist du?“

Unter diesem Motto starteten zwei Sitzungen des 9en-Kurses per Zoom in die digitale Variante des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“. Gemeinsam mit unseren Gästen Ron und Anni, stellten wir uns – nach einer bewusstmachenden Übung zu Ich-Aussagen – Fragen wie:

Welche Ich-Aussage hat sich wann entwickelt? Was hast du getan, weil es dir besonders wichtig war? Wie hast du diesen Teil deiner Identität entdeckt? Was war dabei der Auslöser? Was würdest du gerne in Zukunft noch erreichen?

Dort, wo die SuS am stärksten betroffen waren, wurde mehr erzählt und nachgehakt. So gab es einen Fokus auf Religion und Glaube, der von Ron mit dem überreligiösen Weltbild der Humanität und einer starken Orientierung an Lesen, Schreiben und Gesprächen verknüpft wurde. Zusätzliche interessierte im Gespräch das Thema Sexualität inklusive Asexualität.

Die Stimmung im Raum war, wegen des digitalen Formats mit fehlenden oder deaktivierten Kameras bei den Schüler*innen, schwer zu deuten. Allerdings beteiligte sich ein Großteil der Gruppe durchgehend. Als Einzelne seinen Besuch durch sexualisierte Bemerkungen störten, hat Ron ihnen explizit vergeben. Das fand ich stark. Gleichzeitig hat mich seine klare Positionierung als lebenslang areligiöser Humanist erfreut.

Ich bin selbst eine Person, die lange mit dem eigenen Körperbild – auch im Kontext von Sexualität – gerungen hat. Außerdem sehe ich mich als Menschen, der seine Werte behalten und entwickelt, aber seinen Glauben abgelegt hat. Verständnis von einer erfahrenen Person hätte mir damals bei beiden Entwicklungsprozessen geholfen, früher meine eigene Position zu vertreten und mit erhobenem Kopf durch die Welt zu gehen. Ich hoffe, meinen Schüler*innen durch die Botschafter*innen solche Chancen zu eröffnen. Deswegen hat es mich auch besonders gefreut, als Ron ihnen anbot, auch über das Erzählcafé>>> hinaus in Kontakt zu bleiben. Während des Gesprächs verging die Zeit wie im Flug. Plötzlich saßen wir schon in der Reflexionsrunde. Die klare Mehrheit wünschte sich, dass Ron und Anni wiederkommen und Einzelne gaben sogar an, Erkenntnisse>>> für/über den eigenen Lebensweg erhalten zu haben.



Autor: Philipp Giesinger, Lehrer an der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve

Bild: Anni Velkova-Rehm


Ron Manheim: Die Teile meiner Identität

Es war eine ganz neue Erfahrung: Ein Gespräch, das wir – die mir vertraute Projektleiterin Anni Velkova-Rehm, der Lehrer Philipp Giesinger und ich – mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern einer Gesamtschule führten, die ich gar nicht kannte. Darüber hinaus konnte ich sie, mit einer Ausnahme, auch nicht sehen, Corona-bedingt natürlich: wir trafen uns „online“.

Alles drehte sich um Identität: „Wer bin ich?“, lautete die zentrale Frage für alle, auch für Anni, den Lehrer und für mich. Da waren alle gleich! Und das funktionierte.

Meine Beteiligung hatte mit meiner vielleicht nicht ganz alltäglichen Identität zu tun. Ich konnte erzählen über einen Weg, der mich aus einem Armenviertel der 1940er Jahre in Amsterdam hinausführte, zunächst zur Rolle eines Grundschullehrers, dann zum Kunsthistoriker. Aber auch konnte ich darlegen, wie ich zum Judentum gekommen bin. Das heißt, zu einer sehr engen Verbindung zur jüdischen Geschichte und Kultur, wenn auch nicht zum Glauben. Was wohl vor allem daran liegt, dass meine jüdischen Großeltern in Auschwitz ermordet wurden, ich sie gar nicht habe kennen lernen und sie mir nichts haben beibringen können.

Aber auch Anni und der Lehrer beteiligten sich an der Vertraulichkeit der Selbstaussage, ebenso wie einige von den teilnehmenden Schülern und Schülerinnen, die frei von ihren Zukunftsplänen erzählten.

Was mir bleibt: Der Wunsch, einmal in vertrauter Runde, aber real – in einem „analogen“ Gespräch“ mit diesen jungen Menschen zusammenzukommen!

Diese Punkte zeigen, was die SchülerInnen vom Gespräch mit Ron mitgenommen haben

Text: Ron Manheim

Screenshot: Anni Velkova-Rehm