Herzlich willkommen!

 

Zunahme an diskriminierenden Äußerungen und Straftaten in der Region Kleve 7 Jugendliche heute: Leben in zunehmend sozial homogenen Gruppen!

Diesen möglichen Entwicklungen will das Integrationsprojekt „BotschafterInnen der Vielfalt“ entgegenwirken.


Ob als SchülerIn, LehrerIn oder BotschafterIn: JedeR kann viele Facetten der Vielfalt hautnah erleben und auch dazu beitragen, Vorurteile und Ungleichheiten abzubauen. Und nicht zuletzt wird es Spaß machen, von anderen Kulturen, Ländern und berührenden Lebensgeschichten zu erfahren! Nicht nur Perspektivwechsel und Horizonterweiterung werden so ermöglicht, sondern auch das Lernen in der Schule kann neue Dimensionen erschließen. Herzlichst eingeladen sind Sie bzw. bist Du, Teil dieser Entwicklung zu sein!


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Ein Großteil unserer Projektarbeit zeigen die Blogbeiträge unten.

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Für nähere Information kontaktieren Sie bitte Anni Velkova-Rehm (Leiterin des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“)

Für technische Fragen steht zur Verfügung Svetlana Buhlmann.

Jede Erfahrung ist anders und macht weiser!

Man entwickelt sich, wenn man neue Erfahrungen im Leben sammelt, denn die „Routine“ kann „blind“ machen – „blind“, weil die wahren Gründe nicht eingesehen werden können, warum jemand auf eine bestimmte Art und Weise denkt und handelt. Was hat diese Person erlebt? Wie hat ihre Lebensgeschichte ihr Denken und ihr Handeln beeinflusst? Anstatt individuell mit geöffneten Herzen bei jedem zu schauen, werden Menschen viel zu schnell mit Vorurteilen konfrontiert.

Wir können nur dann mit negativen Vorurteilen aufhören, wenn wir uns für die Lebensgeschichte der anderen öffnen und anschließend Empathie und Verständnis entwickeln.


Text: Adela Lala

Redaktion: Anni Velkova-Rehm


Vereinte Kraft versetzt Berge

Auch wenn man schon vor anderen Menschen viele Vorträge gehalten hat, ist es etwas komplett anderes, als Botschafterin vor einer Klasse zu stehen. Diesmal ging es eben nicht um meine Arbeit…

Viele Fragen schwirrten mir in dem Kopf: Was wird die SchülerInnen interessieren? Wird es eher das Interview mit Oma sein, welches ich komplett für die Stunde übersetzt habe? Wird es eher meine eigene Erfahrung als jüdischstämmige sein? Oder doch die ihnen unbekannte Geschichte und Kultur Bulgariens, die zur Rettung der bulgarischen Juden geführt haben? Kann man sich darauf überhaupt vorbereiten? Die Fakten sind mir entweder bekannt oder ich habe sie recherchiert, aber was ist mit deren Interpretation oder die eigene emotionale „Ladung“?

Ich war sehr, sehr aufgeregt, denn ich wollte möglichst viel als Basis für Nachdenken und Diskussion liefern.

Angefangen haben wir mit meiner Vorstellung sowie meine Motivation, am Projekt als Botschafterin teilzunehmen: Wir sind alle Zeitzeugen!

Daraufhin hat Philipp das Interview mit Oma vorgelesen, dafür bin ich ihm sehr dankbar! Für mich persönlich wäre es ansonsten zu schwer (rein emotional) geworden, zum Hauptthema zu kommen – die Erfahrung von Oma ist eine gute Einführung darin. Das „Etikett“ kann man beliebig austauschen: statt „Judentum“ könnte „Migrationshintergrund“, „Behinderung“, „Homosexualität“ oder was auch immer stehen. Die Frage ist, wie man mit den Menschen – trotz „Etikett“ – umgeht.

Genau das zeigt die Erfahrung meiner Oma: Auch wenn sie sehr schwere Zeiten erlebte, sie erinnert sich sehr gut daran, wie sie die Menschen behandelten, die sie während ihrer Deportation in Razgrad kennenlernte: die Lehrerin, die Kinder in ihrer Klasse, die bulgarische und die türkische Familie, bei denen sie gelebt haben, die gute Nachbarin, die sich selbst in Gefahr brachte, um mit ihnen, den Kindern, trotz Ausganssperre zu spazieren. Wie sie selbst sagt: „Wir gerieten an gute Menschen mit guten Herzen.“ Darum geht es mir.

Als Überleitung erinnerte Philipp kurz an das Milgram-Experiment, welches zuvor ein Thema im Unterricht gewesen sei. Daraufhin widmeten wir uns der Kultur und der Geschichte Bulgariens, die uns, BulgarInnen, zu „Dickschädel“ machen, die die eigene Meinung immer stark vertreten und Autoritäten selten ernst nehmen. Die SchülerInnen waren sehr interessiert, sie überlegten aktiv mit, was die von mir und Anni (als Bulgarin natürlich unterstützend) erzählten Geschichten ihnen sagen wollen.

Besonderen Eindruck schien eine Episode der bulgarischen Geschichte zu hinterlassen: Im März 1943 war ein Zug mit versiegelten Waggons aus Thessaloniki in Kjustendil eingetroffen, der von deutschen Soldaten schwer bewacht wurde. Man konnte wohl nichts von dem Inneren sehen, die verzweifelten Schreie der darin Eingesperrten ließen wohl aber keine Zweifel darüber. Daraufhin sammelten sich die Bauer, die in der Nähe der Gleise wohnten, jeder bewaffnet mit dem, was er finden konnte. Sie wollten die Waggons zerschlagen und die Unglücklichen befreien.

Ein Schüler überlegte, wie viele sich trauen würden, selbst in Gefahr zu geraten, wenn es um Bekannte (wie beispielsweise Nachbarn) gehen würde. Anni wies darauf hin, dass es eine noch offenere Frage ist, wie viele sich trauen würden, die Regeln zu brechen, wenn es sich, wie in diesem Fall war, um komplett Unbekannte handeln würde.

Weiterhin erzählte ich die geschichtlichen Fakten, die zur gesamtgesellschaftlichen Bewegung zur Rettung der bulgarischen Juden führten.

Da ich glaube, dass dies keine spezifische Eigenschaft von BulgarInnen ist und dass alle Menschen so mutig handeln können, wählte ich bulgarische Sprichwörter, die die für mich drei wichtigsten Gründen hervorheben. Die SchülerInnen überlegten, die von mir nicht im Voraus erwähnten Gründe richtig zu benennen.

  • Wer ein Messer rauszieht, stirbt an einem Messer.
  • Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
  • Was du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu.
  • Wie man in dem Wald ruft, so schallt es heraus.
  • Ein sanftes Wort öffnet eiserne Tore.

(Umgang mit Anderen)

  • Wie du dir das Bett machst, so wirst du darin ruhen.
  • Die Reben brauchen eine Hacke, keine Gebete.
  • Dem Wolfe ist der Nacken dick, weil er seine Arbeit alleine erledigt.
  • Was du säst, das wirst du ernten.
  • Nichts fällt vom Himmel.

(Eigenverantwortung)

  • Wenn du was bekommen willst, lerne zu geben.
  • Willst du lange leben, so öffne dein Herz.
  • Eine Schwalbe macht keinen Frühling.
  • Vereinte Kraft versetzt Berge.

(Bedeutung der Gesellschaft)

Ich bedanke mich herzlich bei allen, die an der Stunde teilgenommen haben – an Anni und Philipp für die tolle Unterstützung und and alle SchülerInnen: Ihr habt mich zu noch mehr Nachdenken gebracht, hoffentlich ich Euch auch!

Mir war klar, dass die Zeit ggf. nicht für alles ausreichen würde, aber es ging und geht mir darum, den Anfang zu machen. Diejenigen, die interessiert sind, können sich danach selbstständig vertiefen – besonders, wenn sie sich meine Botschaft zu Herzen genommen haben:

Wir sind alle Zeitzeugen! Jeder kann einen wertvollen Beitrag leisten!


Text: Elisara


Wir sind alle Zeitzeugen!

Ich wollte einen passenden Titel für meine Botschaft wählen. Dann durchfuhr es mir wie Strom, ich wusste es: „Wir sind alle Zeitzeugen!

Wieso, was, warum, könnte man sich fragen. Wir reden über Zeitzeugen immer in dem Kontext von etwas, was schon längst war, etwas, was lange vergessen zu sein scheint, etwas, was von Bedeutsamkeit war. Wir vergessen jedoch ständig, dass wir selber Zeitzeugen sind – von dem, was jetzt ist. Wir kreieren jetzt die Wirklichkeit von morgen. Gerade in diesem Jahr, wo Sophie Scholls Geburtstag 100 Jahre her ist, sollte sich jeder die Fragen stellen:

  • Wovon bin ich Zeitzeuge?
  • Was gefällt mir in der Welt, so wie sie ist?
  • Was könnte ich verändern, wofür lohnt es sich zu kämpfen?

Was mich angeht: Ich bin Zeitzeugin von heute, ich gestalte die Welt aktiv mit. Ich bin aber auch Zeitzeugin von anderen Geschehnissen. Solche, die ca. 80 Jahre her sind. Solche, von denen ich eigentlich lieber nie gewusst hätte, da sie so grauenvoll sind. Allerdings solche, die meine eigene Geschichte, meine eigene Seele, meine eigenen Reaktionen und mein Verhalten viel besser erklären, als ich es je für möglich gehalten habe. Dieses Trauma, das mir persönlich nie widerfahren ist und trotzdem so präsent, so lebendig ist. Es gibt mittlerweile sogar viele Begriffe (Kriegsenkel etc.), viele Bücher wurden über das Thema veröffentlicht. Ob ich mich als Enkelin einer anderen Art von Kriegskind „Kriegsenkelin“ nennen kann, weiß ich nicht. Denn: Meine Oma ist Jüdin. Das, was ihr widerfahren ist, was viele Generationen ihren und damit meinen Vorfahren passiert ist, lebt auch in mir weiter, täglich werde ich mit diesem Erbe konfrontiert.

Nein, man sieht mir dieses Erbe nicht an. Ich trage auch keinen jüdischen Namen. Mein Vater wollte nicht, dass ich – wie ihm und Oma geschehen – mit Steinen beworfen werde.  Jedoch hatte mir mein Vater früh auf dem Weg die Erfahrung der Sepharden mitgegeben: „Was in deinem Kopf ist, kann dir keiner nehmen“. Sprich: Sei immer bereit zu fliehen, alles Materielle zu verlieren. Aber auch: „Erzähle nicht, dass du jüdische Vorfahren hast“.

Auch meine Oma hat mich nachhaltig geprägt. Ich bin genau wie sie hochsensibel, ich denke immer an die Menschen und sogar traurige (aber auch glückliche) Szenen in Filmen bringen mich zum Weinen. Ich bin aber auch (genau wie sie): Eine, die immer mindestens Plan A, B, C, D, E hat, damit alles immer vorbereitet ist, für den Fall der Fälle. Die 100% sichere Lösung haben will, und zwar so früh wie möglich – und daher wenig Geduld hat. Eine, die immer unter Strom ist.

Jetzt, selber Mutter, habe ich gesehen, wie dieses Verhalten automatisch weitergegeben wird – und angefangen, mich bewusst damit auseinander zu setzen.

Jetzt bin ich bewusst Zeitzeugin geworden – von all dem, was meiner Oma widerfahren ist. Sie hatte mir auch als Kind schon einige Momente erzählt, aber ich hatte sie tief in meinem Bewusstsein vergraben, sie kaum rausgeholt, da sie so schmerzhaft waren. Zum Beispiel, wie sie Zeitungen schwarz strichen und sie so auf den Fenstern anbrachten, dass von außen die Beleuchtung nicht sichtbar war, da die Juden immer wieder in ihren Häusern belästigt und schikaniert wurden.

Ich habe meinen Mut gesammelt und mit ihr gesprochen, da wir nur das, worüber wir wissen, verändern können. Es war nicht einfach, für sie nicht und für mich nicht. Viele Tränen haben wir vergossen. Ich habe Notizen geführt, viele Seiten geschrieben. Worum es geht? Hier ihre eigenen Worte:

Wir, die Kinder, auch wenn wir klein waren, erlebten alles mit – die Schikanen, die Sorgen, die Demütigungen, die mit Füßen getretene Menschenwürde, die präzedenzlos geraubten Menschenrechte – und weinten mit unseren Eltern, vor allem, als Gerüchte laut wurden, dass Juden in Vernichtungslager geschickt werden. Unsere Kindheit war nicht sorgenfrei und fröhlich. Sie wurde gnadenlos geraubt.

Ich spürte die Besorgnis meiner Eltern und lauschte dann ihren Gesprächen – auf Spanisch. Sie dachten, ich verstehe kein Spanisch, aber ich tat es… und versteckte mich hinter dem Kamin und weinte da allein. Wie kann sich ein Kind fühlen, wenn es sieht, dass die Eltern ständig weinen? Sie wussten nicht, dass ich über die Todeslager Bescheid weiß. Ich leide von diesem Trauma in meiner Seele auf Lebenszeit. Du siehst, wenn ich spreche, fange ich an zu weinen…

Danach kamen die Befehle für unsere Zwangsdeportation aus Sofia… In Viehwaggons für Pferde, wobei wir nicht wussten, wohin der Zug fuhr… Was soll ich sagen? Es wurde auch von den Todeslagern geredet. Drei Tage mussten wir an einer Stelle in den Viehwaggons bleiben, ohne aussteigen zu dürfen… Meine Schwester weinte immer wieder, dass sie Wasser wollte, und ich bemühte mich so sehr, ihr zu erklären, dass sie kein Wasser haben wollen dürfe, denn wenn Vater aussteigen würde, um welches zu füllen, würde er nicht lebend wiederkehren. Ich war sechs Jahre alt und sie war vier.

Ich erinnere mich an nichts anderes, nur an das – Angst, Stress, Weinen; das ist mir geblieben. Demütigungen!

Hier wollen sie oft Erzählungen von Erinnerungen in den Schulen oder bei anderen Veranstaltungen hören, um über den Holocaust zu sprechen. Ich meide das, weil mich das zu sehr zerrüttet. Ich meide es, Interviews zu diesem Thema zu geben, weil ich in Tränen ausbreche. Ich erlebe alles noch einmal. Das setzt mir zu. Ich habe diese erniedrigenden Umstände sehr schwer angenommen, ein Trauma ist in meinem Leben geblieben. Ich sage immer wieder ein Gedicht von Dimtscho Debeljanow, in dem steht:

„Wie traurig waren meine Kindheitstage!
Oh, wie viele Tränen versteckt, verborgen!
Und so viele schwarze Gedanken lasten auf mir,
dass ich mich an nichts erinnern möchte.“

Das hier, das sage ich, wenn ich gefragt werde.

Ich erlebe die Präsenz dieses Traumas in der Gegenwart mit, in ihr – und in mir. Ich weiß, sie wird definitiv nicht mehr darüber sprechen wollen.

Dafür kann ich das für sie übernehmen! Denn – dieses Trauma ist die eine Seite der Medaille. Und die andere? Sie ist die viel wichtigere Seite: ich bin genau wie Oma auf dieser Welt. Und das verdanken wir dem bulgarischen Volk.

Ich rede nicht von einzelnen Rettern, wie es in anderen Ländern gab. Ich rede von der bulgarischen Gesellschaft als Ganzes. In Bulgarien, als Land zwischen Orient und Okzident, sind viele Vertreter anderer Völker und Kulturen zu Hause, und zwar seit Jahrhunderten – Türken, Griechen, Armenier, Juden, Walachen, Pomaken, Tataren und viele, viele mehr. Alle leben friedlich miteinander als Teil der gemeinsamen Gesellschaft, bis auf Ausnahmen gab es und gibt es keine Ressentiments. Ein Beispiel für Weltoffenheit und Akzeptanz: Im Zentrum von Sofia sind Synagoge, Moschee und Kirche kaum 200m voneinander entfernt.

Daher war es nicht verwunderlich, dass der bulgarischen Bevölkerung das Verständnis fehlte, als z.B. die Pläne für ein „Gesetz zum Schutz der Nation“ (antijüdisch) bekannt wurden. Noch weniger war das Verständnis, als ihre Mitbürger im März 1943 zusammengetrieben wurden, da schon Details über die Todeslager bekannt waren. Massive Proteste brachen aus: sowohl von der breiten Gesellschaft, als auch von Politikern, geführt von dem Vize-Parlamentspräsidenten. Vertreter der orthodoxen Kirche haben sich für die Rettung der bulgarischen Juden eingesetzt, dem Zaren Boris III. wird auch eine wichtige Rolle zugeschrieben.

Ich weiß, das Thema ist relativ unbekannt außerhalb Bulgarien. Fakt ist jedoch: Die bulgarischen Juden wurden gerettet. Wie genau? Darüber kann ich auch gerne erzählen.

Denn:

Wir sind alle Zeitzeugen!

Jeder kann einen Beitrag leisten!


Text: Elisara

Grafik: Lalebi design dreams


Weltenbummeln und Vorurteile loswerden

Mit einer Portion Neugier, Wissensdurst und Abenteuerlust zu mehr Toleranz, Chancengleichheit und Frieden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Reisen nicht nur Einblicke in fremde Kulturen und Bräuche bietet, sondern auch zu mehr Toleranz führen kann. Raus aus der Comfort Zone, über den eigenen Tellerrand schauen, hinein ins Leben.  

Diskriminierung, Antisemitismus und das Be- und Verurteilen von Menschen, die gegen den Strom schwimmen oder einfach ein komplett anderes Leben führen, nehmen leider mit großer Sorge stetig zu. Wie können wir Kindern und Jugendlichen andere Werte, Kulturen und Glaubenssätze näherbringen, ohne dabei zu urteilen? Vorurteilsfreie Begegnungen mit offenen Armen und gelebte Toleranz lassen sich u.a. im Reisen erfahren.


Text, Bilder: Sarah Poruks
Redaktion: Anni Velkova-Rehm


Die Kinder von Myanmar

Das Hauptthema dieser Begegnung mit SuS der fünften Klasse waren die Kinderrechte. Das ist ein sehr umfangreiches Thema. In wenigen Ländern der Welt werden die Kinderrechte eingehalten und respektiert. In einem kommunistischen Land aufgewachsen, hatte ich selbst keine Kinderrechte genossen. Und es ist mir wichtig, dass es den neuen Generationen bewusst wird, dass deren Rechte keine Selbstverständlichkeit sind. Ein gutes Beispiel für ein Land mit fehlenden Kinderrechten ist Myanmar. Ich habe selbst dieses ostasiatischen Land besucht und teilte im Unterricht meine Eindrücke mit den SchülerInnen.

Anhand von Bildern wurden der SchülerInnen die Lebensumstände der Kinder in Myanmar geschildert. Die Kinder in diesem ostasiatischen Land leben in Armut, die Meisten ohne Zugang zu einer schulischen Ausbildung.  Oft müssen sie im frühen Alter ihre Familie verlassen, um in einem Buddhistischen Kloster das Schreiben und Lesen lernen zu können. Für die meisten Kinder endet das Kindsein in einem Alter von vier oder fünf Jahren. Dann fangen sie an zu arbeiten – an Häfen, in Restaurants, in Fabriken, im Straßenbau, etc.

Die SchülerInnen sollten anhand der Bilder und diesen Schilderungen erkennen, welche Kinderrechte in Myanmar verletzt werden.  Die SchülerInnen waren auf das Thema vorbereitet und haben sich sehr schnell und richtig orientiert.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Danach behandelten wir die Frage:

Warum leben diese Kinder so?

Einige der Hauptgründe sind die politische Lage, das fehlende Sozialsystem, der Armut.

Bei dieser Diskussion wurde auffallend, dass einige der SchülerInnen die ganzen Probleme der Kinder von Myanmar auf das Geld zurückführten und ihre Eltern als Geringverdiener bezeichneten. Denen war es nicht bewusst, dass die Gesellschaften anderer Länder auf unterschiedliche Prinzipien aufgebaut sind. Und dass die Kinderrechte nicht überall auf der Welt gegeben und eine Selbstverständlichkeit sind.

Demzufolge finde ich es notwendig, durch verschiedene Aktivitäten den SchülerInnen die Vielfalt der Länder zu zeigen und ihnen bewusst zu machen, dass für die Aufbewahrung der Demokratie und der Kinderrechte jeder von uns jeden Tag aktiv arbeiten muss.


Text: Maria Brauchle

Screenshot: Anni Velkova-Rehm


Kamerun und meine Mutter

Ich habe zum ersten Mal bei diesem Projekt mitgewirkt bzw. mich als Botschafter zur Verfügung gestellt. Inspiriert an dem Projekt teilzunehmen hat mich die Möglichkeit, mit meiner persönlichen Geschichte und Erfahrungen einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Verständnis leisten zu können.

Der Schwerpunkt des Vortrages richtete sich auf die Frau in der Gesellschaft und Familie in Kamerun. Für mich stellt es ein sehr wichtiges Thema dar, da die Rolle der Frau bzw. Mutter oft unterschätzt wird, aber immens wichtig für die Gesellschaft ist. Zudem habe ich schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter gehabt. Bis heute hat mich ihre Erziehung sehr geprägt und ich bin ihr von Herzen dankbar – für das, was sie alles für mich getan hat.


Die Projektvorbereitung hat sehr gut geklappt und die Projektleitung hatte immer ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen. Mich hat es sehr gefreut, welches Interesse und welche Offenheit und Neugier die Schüler in Bezug auf kulturelle Fragen zeigten.


Text: Boris Kamdem
Bild: Persönliches Archiv von Boris Kamdem


Umgang miteinander auf Augenhöhe

Mir liegt es am Herzen, dass bereits junge Menschen Toleranz und Verständnis gegenüber anderen Kulturen und Ethnien entwickeln können, damit es später nicht zu fremdfeindlichen Denkmustern kommen kann. Deswegen möchte ich an diesem schönen Projekt teilnehmen.

Mein Name ist Boris, ich bin 34 Jahre alt und seit 2013 lebe ich in Deutschland. Nach meinem erfolgreich abgeschlossenen Studium im Fach Elektrotechnik in Deutschland, arbeite ich nun in der IT-Abteilung der HSRW in Kleve.

 

Mein Lebensweg war kein „Königsweg“ – Erfahrungen habe ich nicht nur mit schwierigen Lebensbedingungen gesammelt, sondern auch im Kampf gegen Verurteile.

Darüber möchte ich erzählen, um zu sensibilisieren für einen Umgang miteinander auf Augenhöhe.

Gerne erzähle ich auch von meinem Heimatland Kamerun – Familie, Gesellschaft und all dem, was die SchülerInnen interessiert!


Text: Boris Kamdem
Redaktion: Anni Velkova-Rehm

Bild: Persönliches Archiv von Boris Kamdem


 

Kopftuch – Symbol der Freiheit?!

Sehr geehrte Frau Velkova-Rehm, sehr geehrter Herr Dabi,

in dem folgenden Blogbeitrag würden wir, Larisa Homa und Emely Jansen, uns gerne für Ihren Besuch in unserer Klasse bedanken und Ihnen ein Feedback über den Austausch geben.

Vielen Dank von uns erstmal, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns über die Vielfalt aufzuklären. Wir finden es schön, wofür Sie sich einsetzen und wie viel Mühe Sie sich gegeben haben, den Austausch spannend zu gestalten. Wir haben alles gut nachvollziehen können, da Sie uns das Thema „Kopftuch“ gut näher gebracht haben. Ebenfalls fanden wir die anonymen Fragen gut, da man sich so getraut hat, eine ehrliche Antwort zu geben. Zudem sind Sie auf alle Fragen verständlich eingegangen.

Für den nächsten Austausch würden wir uns wünschen, das Thema „Stolpersteine“ zu besprechen. Warum sind diese Stolpersteine da? Was haben diese zu bedeuten? Wir finden dieses Thema sehr interessant, da es wichtig für die Bildung aller Kinder/Jugendliche ist, damit so etwas nie mehr vorkommt.

Seit dem Austausch, machen wir uns viele Gedanken über das Thema „Kopftuch“. Warum ist es in vielen Familien so wichtig, dass die Tochter ein Kopftuch trägt? Und warum gehen manche Familien so locker damit um, obwohl sie an die gleiche Religion glauben? Dies war eine Sache, die wir persönlich noch nicht ganz verstanden haben.

Zeichnung: Nele van Basten, Schülerin an der Gesamtschule am Forstgarten

Wir finden, dass im Alltag dieses Thema mehr normalisiert werden sollte. Wir können ebenfalls nicht nachvollziehen, warum Menschen mit Kopftuch heute noch, nach allem was schon passiert ist, diskriminiert werden. Es sollte in den Grundschulen schon normalisiert werden, damit Rassismus endlich ein Ende nimmt. Am Berufskolleg Kleve sollten Sie mit Ihrem Projekt in jedem Religionsunterricht einmal mindestens das Thema sein. Unsere Schule ist sehr tolerant gegenüber Frauen mit Kopftüchern, denn wir sehen immer wieder Schülerinnen mit Kopftuch, was wir persönlich super finden, allerdings sollte man trotzdem darüber sprechen und für Aufklärung sorgen. Ihr Projekt ist definitiv eine Bereicherung für unser Leben, da Sie mehr für Aufklärung sorgen und Menschen endlich toleranter werden könnten. Sie könnten einen Teil der Menschen umstimmen. Je mehr Menschen an Ihrem Projekt teilnehmen, desto mehr Auswirkungen hat dieses. Unsere Sichtweise hat dieser Austausch auf jeden Fall verbessert und wir wollen ebenfalls mehr Toleranz im Alltag sowie im Berufsleben und in den Schulen und Menschen sollten aufhören, Menschen die „anders“ leben, als Gefahr zu sehen. Dazu fällt uns ein, dass Sie vielleicht die Klischees aufklären könnten, wie zum Beispiel, dass Muslime Amokläufer wären. Wir finden es schade, dass in den Nachrichten immer nur „Ausländer“ schlecht dargestellt werden und die Deutschen meistens aus dem Internet rausgehalten werden, wenn etwas Schlimmes passiert ist.

Alles in einem würden wir sagen, dass der Austausch für uns wichtig und von Vorteil war und dass Sie eine super Präsentation über dieses ganze Thema gehalten haben.

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Emely Jansen und Larisa Homa


Text: Emely Jansen und Larisa Homa, Schülerinnen am Berufskolleg Kleve

Zeichnung: Nele van Basten, Schülerin an der Gesamtschule am Forstgarten


Warum ich die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt sehr schätze

Ich bin Annemarie Graven und Schülerin am Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve. Ich hatte das Glück, vor ein paar Wochen im Religionsunterricht zwei Botschafter/innen der Vielfalt kennen zu lernen: Zum einen Frau Velkova-Rehm und zum anderen Herrn Dabi. Im folgenden Beitrag möchte ich mehr über meine Erfahrung mit den Botschafter/innen erzählen.

Das Gespräch konnte auf Grund der aktuellen Corona Lage nur digital stattfinden, dennoch hat es mir sehr gut gefallen. Es war ein sehr offenes und ehrliches Gespräch.

Es wurde zunächst das Thema „Kopftuch“ behandelt. Herr Dabi klärte uns über das Tragen des Kopftuches auf und warum es in seiner Religion so wichtig sei. Für mich als Christin war es zuvor eher schwierig, dieses Handeln zu verstehen, doch nach vielen Überlegungen und Informationen, die Herr Dabi uns mitgeteilt hatte, wurden es immer deutlicher. Ich würde behaupten, dass viele aus meiner Klasse nun besser damit umgehen können und auch verstehen, warum muslimische Frauen das Kopftuch tragen wollen.

Frau Velkova-Rehm informierte uns über das allgemeine Projekt der BotschafterInnen der Vielfalt und mit welchem Hintergedanken sie sich an die Arbeit macht. Sie möchte durch dieses Projekt unter anderem dafür sorgen, dass es weniger Ausschließung durch den religiösen Aspekt an unseren Schulen gibt. Sie erklärte uns auch einzelne Projekte des Vereins Mifgash, zum Beispiel, das Projekt der Stolpersteine.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Pflastersteine, welche in der Klever Innenstadt, in Xanten, etc. zu sehen sind. In diesen Steinen sind Namen von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu sehen, um an diese immer wieder zu gedenken. Mich persönlich interessiert genau dieses Thema besonders, da es wichtig ist, diese Zeit niemals zu vergessen, um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Ich hoffe, dass ich Sie, liebe Blogleser/innen, davon überzeugen konnte, wie gut und wichtig die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt ist. Noch dazu ist es wichtig zu erwähnen, dass all diese Arbeit ehrenamtlich stattfindet. Ein Grund mehr, die Arbeit der BotschafterInnen besonders schätzen zu wissen!


Text: Annemarie Graven, Schülerin am Berufskolleg Kleve
Korrektur: Anni Velkova-Rehm

Bild zur Verfügung gestellt von Helga Ullrich-Scheyda


Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Mit dieser Frage habe ich mich gemeinsam mit ca. 22 SchülerInnen (alle fast volljährig und mit unterschiedlicher religiöser Herkunft) in einem Religionsunterricht am Berufskolleg Kleve auseinandergesetzt.

Zunächst gab ich wichtige Informationen zum Tragen des Kopftuchs in Zusammenhang mit dem Islam.

Das Kopftuch ist eine Pflicht im Islam und ein Gebot, aber es ist keine Säule des Islams.

Jede Frau sollte die Freiheit haben, sich für oder gegen das Tragen des Kopftuchs zu entscheiden.

Wie wir alle wissen, es gibt Gebote und Verbote in allen Religionen.

Beispiele für Gebote im Islam sind: Das Kopftuch, Liebe zum Propheten, Ehren der Eltern, Spenden etc.

Beispiele für Verbote im Islam: Alkoholverbot, Rauchverbot, gesundheitsschädliche Praktiken, etc.

In der Bibel – im Alten Testament – steht, dass  Frauen ihre Haare nicht zeigen sollten.

Viele Leute interpretieren das Kopftuch unterschiedlich:

  • Religionsfreiheit
  • Persönliche Entscheidung treffen
  • Zeichen von religiöser Zugehörigkeit
  • Ähnlich wie bei einem Fußballspiel: Fußball Fans, zum Beispiel, ziehen alle gleiche Kleidungsstücke an, um zu zeigen, dass sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen.
  • Einfach persönlicher Wunsch, Kopftuch zu tragen
  • Schmuck und Mode
  • Tradition und Kultur
  • Zwang

Religiöse Vorurteile sind leider immer noch oft ein Bestandteil unseres Alltags. In diesem Zusammenhang haben die SchülerInnen mitgeteilt:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

Die wichtigste Frage bleibt, was jeder von uns tun kann, um negative religiöse Vorurteile zu mindern oder zu vermeiden.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Wir leben in einer Gesellschaft der Vielfalt, und ich finde, es ist besonders wichtig, dass wir einander gegenseitig respektieren. Noch wichtiger finde ich, dass wir unsere unterschiedlichen Kulturen so viel wie möglich teilen und als Quelle der Vielfalt nutzen, um einander zu bereichern. Wir können zum Beispiel gemeinsam an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen und sogar vielfältige Festen zusammen feiern usw.

Dabei spielen eine wesentliche Rolle die Erziehung zuhause, im Kindergarten, in der Schule, auf der Straße und natürlich die Bildung.

Ob wir alle im Frieden leben oder nicht – Eltern und die gesamte Gesellschaft tragen dafür Verantwortung meiner Meinung nach.

Ein Grund mehr, an Sitzungen dieses Formats teilzunehmen. Über die Meldungen der SchülerInnen, was sie von der Begegnung mit mir mitgenommen haben, freue ich mich sehr. Für den offenen und fruchtbaren Austausch bedanke ich mich herzlichst bei allen Teilnehmenden!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.


Text: Hassan Dabi

Redaktion, Screenshots: Anni Velkova-Rehm