Unsere Botschafter*innen-Begegnungen haben immer ein konkretes Thema und sind innerlich durch 2-3 Unterthemen mit dazugehörigen Fragen strukturiert. Die Fragen bringen meine Schüler*innen in vorbereitenden Sitzungen ein und arbeiten so aktiv aus, was sie lernen wollen. Sie beschäftigte beispielsweise die Frage, ob man Religionen abschaffen sollte.

Material betrachtet haben wir mit den beiden Botschaftern Argumente dafür und dagegen gesammelt. Es wurde über die Funktionen von Religion gesprochen und die Schüler*innen positionierten sich religiös und religionspolitisch.

Die von mir gesteckten Lernziele schließen dabei aber – auch und gerade – die oben angesprochenen Formen der demokratisch-partizipativen Unterrichtsvorbereitung ein.

Ich gebe meinen Schüler*innen die Möglichkeit, eine doppelte Selbstwirksamkeit zu erleben:

Meine Position ist wichtig (material/zur Sache) und ohne mich läuft nichts (formal/zur Form).“

Erst wer diesen Eindruck verinnerlicht hat, kann sich „mündige*r Bürger*in“ nennen.

Und diese mündigen Bürger*innen drehen manchmal auch innerhalb einer Stunde das Thema spontan um 180 Grad. Außerdem sind die zentralen Fragen nicht immer politisch korrekt und nicht jede Antwort logisch gültig formuliert. Darauf müssen unsere Botschafter*innen, Lehrer*innen und das Projektteam gefasst sein. Denn Inklusion und Teilhabe zu leben, bedeutet, den Beteiligten einen Raum zu geben, in dem sie zugleich sozialisiert werden UND sich entwickeln können. Als Moderator sorge ich dafür, dass Schüler*innen sich nicht beliebig positionieren. Genauso ist es meine Aufgabe, die Offenheit für neue Lösungsansätze zu wahren. Das bedeutet Praktische Philosophie.


Autor: Philipp Giesinger, Lehrer an der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve

Bild: Anni Velkova-Rehm


Lernziel „mündige*r Bürger*in“

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