Herzlich willkommen!

 

Zunahme an diskriminierenden Äußerungen und Straftaten in der Region Kleve 7 Jugendliche heute: Leben in zunehmend sozial homogenen Gruppen!

Diesen möglichen Entwicklungen will das Integrationsprojekt „BotschafterInnen der Vielfalt“ entgegenwirken.


Ob als SchülerIn, LehrerIn oder BotschafterIn: JedeR kann viele Facetten der Vielfalt hautnah erleben und auch dazu beitragen, Vorurteile und Ungleichheiten abzubauen. Und nicht zuletzt wird es Spaß machen, von anderen Kulturen, Ländern und berührenden Lebensgeschichten zu erfahren! Nicht nur Perspektivwechsel und Horizonterweiterung werden so ermöglicht, sondern auch das Lernen in der Schule kann neue Dimensionen erschließen. Herzlichst eingeladen sind Sie bzw. bist Du, Teil dieser Entwicklung zu sein!


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Ein Großteil unserer Projektarbeit zeigen die Blogbeiträge unten.

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Für nähere Information kontaktieren Sie bitte Anni Velkova-Rehm (Leiterin des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“)

Für technische Fragen steht zur Verfügung Svetlana Buhlmann.

Warum ich die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt sehr schätze

Ich bin Annemarie Graven und Schülerin am Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve. Ich hatte das Glück, vor ein paar Wochen im Religionsunterricht zwei Botschafter/innen der Vielfalt kennen zu lernen: Zum einen Frau Velkova-Rehm und zum anderen Herrn Dabi. Im folgenden Beitrag möchte ich mehr über meine Erfahrung mit den Botschafter/innen erzählen.

Das Gespräch konnte auf Grund der aktuellen Corona Lage nur digital stattfinden, dennoch hat es mir sehr gut gefallen. Es war ein sehr offenes und ehrliches Gespräch.

Es wurde zunächst das Thema „Kopftuch“ behandelt. Herr Dabi klärte uns über das Tragen des Kopftuches auf und warum es in seiner Religion so wichtig sei. Für mich als Christin war es zuvor eher schwierig, dieses Handeln zu verstehen, doch nach vielen Überlegungen und Informationen, die Herr Dabi uns mitgeteilt hatte, wurden es immer deutlicher. Ich würde behaupten, dass viele aus meiner Klasse nun besser damit umgehen können und auch verstehen, warum muslimische Frauen das Kopftuch tragen wollen.

Frau Velkova-Rehm informierte uns über das allgemeine Projekt der BotschafterInnen der Vielfalt und mit welchem Hintergedanken sie sich an die Arbeit macht. Sie möchte durch dieses Projekt unter anderem dafür sorgen, dass es weniger Ausschließung durch den religiösen Aspekt an unseren Schulen gibt. Sie erklärte uns auch einzelne Projekte des Vereins Mifgash, zum Beispiel, das Projekt der Stolpersteine.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Pflastersteine, welche in der Klever Innenstadt, in Xanten, etc. zu sehen sind. In diesen Steinen sind Namen von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu sehen, um an diese immer wieder zu gedenken. Mich persönlich interessiert genau dieses Thema besonders, da es wichtig ist, diese Zeit niemals zu vergessen, um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Ich hoffe, dass ich Sie, liebe Blogleser/innen, davon überzeugen konnte, wie gut und wichtig die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt ist. Noch dazu ist es wichtig zu erwähnen, dass all diese Arbeit ehrenamtlich stattfindet. Ein Grund mehr, die Arbeit der BotschafterInnen besonders schätzen zu wissen!


Text: Annemarie Graven, Schülerin am Berufskolleg Kleve
Korrektur: Anni Velkova-Rehm

Bild zur Verfügung gestellt von Helga Ullrich-Scheyda


Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Mit dieser Frage habe ich mich gemeinsam mit ca. 22 SchülerInnen (alle fast volljährig und mit unterschiedlicher religiöser Herkunft) in einem Religionsunterricht am Berufskolleg Kleve auseinandergesetzt.

Zunächst gab ich wichtige Informationen zum Tragen des Kopftuchs in Zusammenhang mit dem Islam.

Das Kopftuch ist eine Pflicht im Islam und ein Gebot, aber es ist keine Säule des Islams.

Jede Frau sollte die Freiheit haben, sich für oder gegen das Tragen des Kopftuchs zu entscheiden.

Wie wir alle wissen, es gibt Gebote und Verbote in allen Religionen.

Beispiele für Gebote im Islam sind: Das Kopftuch, Liebe zum Propheten, Ehren der Eltern, Spenden etc.

Beispiele für Verbote im Islam: Alkoholverbot, Rauchverbot, gesundheitsschädliche Praktiken, etc.

In der Bibel – im Alten Testament – steht, dass  Frauen ihre Haare nicht zeigen sollten.

Viele Leute interpretieren das Kopftuch unterschiedlich:

  • Religionsfreiheit
  • Persönliche Entscheidung treffen
  • Zeichen von religiöser Zugehörigkeit
  • Ähnlich wie bei einem Fußballspiel: Fußball Fans, zum Beispiel, ziehen alle gleiche Kleidungsstücke an, um zu zeigen, dass sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen.
  • Einfach persönlicher Wunsch, Kopftuch zu tragen
  • Schmuck und Mode
  • Tradition und Kultur
  • Zwang

Religiöse Vorurteile sind leider immer noch oft ein Bestandteil unseres Alltags. In diesem Zusammenhang haben die SchülerInnen mitgeteilt:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

Die wichtigste Frage bleibt, was jeder von uns tun kann, um negative religiöse Vorurteile zu mindern oder zu vermeiden.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Wir leben in einer Gesellschaft der Vielfalt, und ich finde, es ist besonders wichtig, dass wir einander gegenseitig respektieren. Noch wichtiger finde ich, dass wir unsere unterschiedlichen Kulturen so viel wie möglich teilen und als Quelle der Vielfalt nutzen, um einander zu bereichern. Wir können zum Beispiel gemeinsam an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen und sogar vielfältige Festen zusammen feiern usw.

Dabei spielen eine wesentliche Rolle die Erziehung zuhause, im Kindergarten, in der Schule, auf der Straße und natürlich die Bildung.

Ob wir alle im Frieden leben oder nicht – Eltern und die gesamte Gesellschaft tragen dafür Verantwortung meiner Meinung nach.

Ein Grund mehr, an Sitzungen dieses Formats teilzunehmen. Über die Meldungen der SchülerInnen, was sie von der Begegnung mit mir mitgenommen haben, freue ich mich sehr. Für den offenen und fruchtbaren Austausch bedanke ich mich herzlichst bei allen Teilnehmenden!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.


Text: Hassan Dabi

Redaktion, Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Auf dem Weg zu mehr Interreligiösem Dialog

Hassan Dabi

 

Nach vier Jahren Tätigkeit in der IT-Branche (bis 2014) habe ich mich entschieden, mich in einem komplett neuen Bereich beruflich zu entwickeln: als Sozialarbeiter/Pädagoge in der Flüchtlingsarbeit (2015 – 2017) und als interkultureller Coach und Berater beim Bildungsträger Neuss (seit 2019).

 

Was motiviert mich, an dem Projekt „BotschafterInnen der Vielfalt“ teilzunehmen?

Ich möchte gerne meine Kenntnisse – insbesondere im Bereich des Islams – vermitteln und meine vielfältigen Lebenserfahrungen teilen. Im Rahmen des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“ erkenne ich die Gelegenheit, verschiedene Personen aller Religionen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen.

Offene Diskussionen und Dialoge zu Themen der Religion finde ich besonders spannend und wichtig, um Klarheit zu gewinnen und nicht zuletzt andere Meinungen zu erfahren.

Es ist wichtig über mich zu wissen, dass ich kein Islamgelehrter bin. Ich bin in einer normalen muslimischen Familie in Marokko geboren und aufgewachsen. Dazu gehört die für traditionell geprägte Muslime selbstverständliche religiöse Unterweisung meiner Kindheit in der Familie und manchmal auch in der Schule. Religiöse Erziehung geschieht indirekt dadurch, dass ich mich an islamischen Festen und Feiertagen beteilige und auch dass ich entsprechend Speise- und Reinigungsvorschriften des Islam praktiziere. Mit 14 habe ich mich intensiv mit dem Koran und auch mit Geschichte beschäftigt. Seit 30 Jahren lebe in Deutschland und praktiziere meine Religion ganz normal bzw. problemlos.

Ich glaube an „die Mitte und die Mäßigung“ und bin sehr offen für einen Dialog der Religionen.


Text: Hassan Dabi
Redaktion: Anni Velkova-Rehm

Bild: Persönliches Archiv von Hassan Dabi


Eine Begegnung zum Thema Zukunftswünsche und Lebensziele

 

Wann haben Sie sich zuletzt gefragt, welche Ihre Lebensziele sind?

Haben sich Ihre Ziele seit Ihrer Jugend geändert?

 

Diese und andere Fragen kamen auf mich zu, nachdem ich mich bereit erklärt hatte, als Botschafterin der Vielfalt in einem Präsenz-Unterricht über Zukunftswünsche an der Gesamtschule am Forstgarten teilzunehmen. Das war für mich eine sehr positive Erfahrung und ich hoffe auch für die SchülerInnen der 9. Klasse. Das Online-Treffen war eine Woche zuvor sorgfältig vorbereitet und an dem Tag des Unterrichts lief alles reibungslos. In diesem Blog-Beitrag möchte ich meine Erfahrungen den zukünftigen BotschafterInnen der Vielfalt mitteilen.

Anni Velkova-Rehm hatte mich eingeladen, als Botschafterin der Vielfalt an dem Projekt teilzunehmen. Diesen Vorschlag hatte ich mit großer Freude angenommen. Die Begegnungen mit Jugendlichen finde ich immer spannend. Besonders freue ich mich, wenn sie mit mir ihre Lebens-Ansichten teilen.

In der Vorbereitungsphase hatte ich durch Anni die folgenden Anregungen für unsere Begegnung von den SchülerInnen bekommen:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Die Frage, welche Ziele ich als Jugendliche hatte, hat als erste meinen Blick gefangen. Meine Gedanken gingen zurück zu meinen jugendlichen Jahren. Ich hatte damals eigentlich nur Lebensträume gehabt. Manche dieser Lebensträume sind in Erfüllung gegangen, ohne dass ich was Konkretes dafür getan hatte. Meine wirklichen Lebensziele hatte ich mir erst Jahre später gesetzt.

Was ist ein Lebenstraum?

Was ist ein Lebensziel?

Wann wird ein Lebenstraum zum Lebensziel?

Zu diesen Fragen konnte ich mehrere Beispiele aus meinem Leben geben.

Ich ging auch die anderen Fragen durch und notierte mir weitere Anregungen für die geplante Begegnung:

  • Wofür wird Mut gebraucht – um sich ein Ziel zu setzen oder um es zu erreichen?
  • Welche Fähigkeiten werden gebraucht, um ein Ziel zu erreichen?
  • Wodurch zeichnet sich ein guter Job aus?
  • Welche sind die Vorteile und die Nachteile des Lebens in einem kleinen Ort?
  • Herkunft und Minderwertigkeitsgefühl.
  • Was mir über den kurdischen Bergen und über die Kurden dort von einem Freund erzählt wurde.

Die Begegnung verlief wie ein Gespräch in einem Café. Anni moderierte das Treffen und folgte den vorbesprochenen Punkten. Zu jeder Frage erzählte ich aus meiner Lebenserfahrung. Und der Philosophie-Lehrer Philipp Giesinger gab Informationen, wie die einzelnen Begriffe theoretisch definiert sind und welcher Teil der Philosophie sich mit denen auseinandersetzt.

Die SchülerInnen waren das Publikum. In dem Fall war das ein aktives Publikum. Manchmal stellten sie ihre Fragen direkt, oder sie beantworteten die von Philipp geposteten Fragen im Chat. Wie z. B.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Ich merkte das Interesse der SchülerInnen als sie die Frage beantworteten: Welche Fähigkeiten werden gebraucht, um ein Ziel zu erreichen? Ich hatte nur zwei Gründe von mir aus genannt.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Interessant, dass bei der Frage „Was glaubt ihr: Wofür wird mehr Mut gebraucht –  um sich ein Ziel zu setzen oder um es zu erreichen?“ die Mehrheit sich genau anders als ich entschieden hatte.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

 

Das war für mich ein Zeichen, dass diese jungen Menschen ihre eigene Meinung haben, die nicht leicht zu ändern ist.

Mir ist aufgefallen: Noch können die Jugendlichen Lebensziele kaum erkennen – es sind häufig „nur“ Lebensträume, die selten von Selbsterkenntnis und strukturierter Planung getragen sind, sondern von Wünschen und Bildern. Das liegt daran, dass die SchülerInnen noch stark in von der Umwelt gesetzten Zielen leben – Lernzielen, Orga-Strukturen, schulischen Anforderungen. Hier gilt es Mut zu haben, in eine Prüfung zu gehen. Aber dieser Mut ist nicht der, den ich meine, wenn ich davon spreche, Mut zu haben sich wirklich ein Ziel zu setzen – abgeleitet vom Traum, mit Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis strukturiert und entwickelt.

 

Am Ende des Gesprächs zeigte ich ein paar Bilder von den kurdischen Bergen und Dörfern und gab die Erzählung eines Freundes, der dort als Tourist war, wieder.

Für mich war diese Begegnung sehr bereichernd. Es bereitete mir eine große Freude, dass die Jugendlichen Interesse am Unterrichts-Thema zeigten und bis zum Schluss aktiv blieben.

Ich hoffe, dass jeder der SchülerInnen etwas von meinen Erzählungen mitnehmen konnte, und dass sie nach diesem Treffen noch mehr Mut besitzen, sich große Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen!

Ich bedanke mich bei Anni und Philipp für die Einladung und die hervorragende Organisation!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.


Text: Maria Brauchle

Redaktion: Thomas Rehm

Bilder: Persönliches Archiv von Maria Brauchles Freund
Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Der Weg nach oben…!

 

Die Artikelüberschrift von einer Himalaya-Expedition wählte ich in meinen jugendlichen Jahren als Lebensmotto:

Für die mutigen führt der Weg immer nach oben!

 

 

Im sozialistischen Bulgarien geboren, von russischen LehrerInnen streng erzogen, hatte ich kurz nach der Wende mein erstes Studium in BWL abgeschlossen. „Mein Weg nach oben ist frei!“ – dachte ich mir. Aber es kam anders. Eine heftige Hyperinflation hatte das Leben in meiner Heimat sehr schwierig und unberechenbar gemacht. In Deutschland fand ich Zuflucht. Meine Vorstellungen über das kapitalistische Deutschland änderten sich um 180°. Ich habe Deutschland vor und nach der Einführung des Euro erlebt.

Demokratie ist keine Gegebenheit, jeder einzelne Bürger sollte sie tagtäglich aufrechterhalten.

In dem neuen Land lernte ich zuerst die Sprache, danach habe ich hart gearbeitet und dadurch mein zweites Studium in Mathematik finanziert. Kein leichter Weg und trotzdem hatte ich Erfolg, denn ich habe fest daran geglaubt:

Jemand, der ein Ziel vor Augen hat, kann alles erreichen!

Und auch wenn der Weg nach oben in Bulgarien – im ärmsten Land der EU – eine echte Herausforderung sein kann, gehöre ich zu den Glücklichen, deren beruflicher Weg von Erfolg gekrönt ist. Ich lebe zugleich meine Berufung und meine Liebe zur Mathematik: Auf eine Entdeckungsreise in der wunderschönen Mathematikwelt nehme ich jeden mit, der selber auf innovative Wege – durch dynamische Mathematik Software – mathematische Zusammenhänge finden möchte.

Meine Arbeit macht mir viel Spaß und ich glaube fest daran:

Jeder Beruf kann sehr spannend sein, wenn man sich zum Ziel setzt, jeden Tag sich zu verbessern!

Zurückblickend würde ich meinen Weg nach oben als ein Weg des Lernens und Lehrens bezeichnen. Sich unermüdlich weiterentwickeln und möglichst viel den anderen geben!

Und wie stellst Du Dir Deinen Weg nach oben vor?


Text, Screenshot: Maria Brauchle
Redaktion: Anna Velkova-Rehm

Bilder: Persönliches Archiv von Maria Brauchle


Markt oder Menschlichkeit?

Das war das Thema und zugleich die Hauptfrage, mit der sich die SchülerInnen im Alter von 16 und 17 Jahren in einem Wirtschaftslehre-Unterricht am Berufskolleg Kleve auseinandersetzten. Eliana, Botschafterin der Vielfalt, erzählte von ihrem Leben in Afrika und auch von ihren Erfahrungen im Bereich des fairen Handels.

Welche ist die erste Assoziation, die Du mit fairem Handel machst?
Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Die Sitzung moderierten Jan Feldmann (Lehrperson) und Anni Velkova-Rehm (Leiterin des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“). Die Fragen an Eliana ergaben sich aus dem Interesse und Anregungen der SchülerInnen. So kommentierten die SchülerInnen den Unterrichtsverlauf:

Das fand ich gut an der Unterrichtsdurchführung
Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Von der „wahren Expertin“ Eliana wollten die SchülerInnen im Wesentlichen wissen: Was hat sie bewogen, sich mit fairem Handel zu beschäftigen? Was meint sie mit den Begriffen „Alt- und Neokolonialismus“? Welche Erfahrungen hat sie mit fairem Handel gemacht? Und nicht zuletzt: Was ist fair und was ist unfair beim „Fairtrade“? Gibt es überhaupt wirklich fairen Handel?

Eliana verwies auf konkrete Beispiele, wie sie die Ausbeutung Afrikas erlebt hat und sensibilisierte so u.a. für die Abhängigkeit Ghanas vom EU-Markt, ebenso wie diese Abhängigkeit zu Lasten der Umwelt und der Menschen geht. Außerdem erklärte sie mit Blick auf ihre eigene Erfahrung mit fairem Handel die Herausforderungen in diesem Bereich.

Die Resonanz zur Sitzung war sehr positiv. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Eliana für Ihre Unterrichtsteilnahme!


Text, Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Der Mensch ist Anders –Jüdisch sein auch

 

Eliana

Der Mensch ist Anders
Jüdisch sein auch

 

 

Es ist die Eigenschaft jedes Einzelnen „Andros“ (Mensch) zu sein und deswegen anders. Wenn wir dieses „anders sein“ verleumden oder nicht mehr dulden, beginnen wir den Krieg.

 

50ger          Kinderzeit                 –                                  Was ist der Mensch?

Nur das genetische Produkt seiner Eltern, hineingeworfen in einen Ort und eine Zeit, die ihn formen und bestimmen, begrenzt von Zäunen und Mauern der Erwachsenen? Ist nicht jedes Kind schon direkt nach seiner Geburt einzigartig in seiner Person und hat nicht jedes Kind Erinnerungen und einen Traum, wer es ist und sein möchte? Meine Erinnerungen wurden mir mit 3 Jahren bewusst und reichen zurück auch in Zeiten vor meiner Zeit. Es war furchterregend was ich sah, ich schlug meinen Kopf gegen die Wand. Ich wollte lieber den Schmerz des Körpers spüren, als den der Seele. Der Mensch ist ganz von Anfang an bis heute, gebrochen in Generationen.

 

60ger          Jugendzeit                 –                                  Wer ist der Mensch?

Bin ich nicht die Nachfolge meiner Vorfahren, die VerInnerung ihrer Erlebnisse, Erfahrungen und Folge ihrer bitteren Erkenntnis. Warum hatte ich diese große Angst vor Gewalt und woher die übergroße Sehnsucht nach Freiheit? Die Welt erschien mir so dunkel und bedrohlich – immer wollte ich weg. Ich hatte Angst, große Angst vor diesen „Deutschen“ (Männern, Lehrern, Beamten, Polizisten, Soldaten), obwohl ich es doch selber war, geboren bei Münster, aufgewachsen am Niederrhein. Wer war ich, warum fühlte ich mich so fremd und so anders? Werde ich jemals die treffen, die so sind wie ich, werden sie mich erkennen und ich sie? Ja; es geschah das erste Mal mit 15 und dann immer wieder. Ich spielte Gitarre und sang hebräische und jiddische Lieder. Mit 18 zog ich nach Berlin, mit 19 eine lange Reise nach Israel, ein Land, das ich nicht kannte und wo ich doch zuhause war.

 

70ger          Studium                     –                                Liebe – Lohn – Profit

An der FU Berlin begann ich das Studium der Soziologie mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialstruktur, mein Diplom, eine Analyse zur Nichtbezahlung von Frauenarbeit, erschien als Buch „Liebe-Lohn-Profit, Man/Marx spricht nicht über Hausarbeit“. Zwar schafft das Studium Wissen, doch Wessen Wissen über Was, des patriarchalen Weltgeistes? Mit der Frauenbewegung suchte ich ein Zimmer für mich allein, um meine Gedanken von ihm zu befreien, sie brachte Demokratie.

 

80ger          Liebe                          –        Begegnung mit dem Anderen Selbst

Es war zur Zeit der Kirschen in einem kleinen Café. „Sind Sie allein?“ „Nein, ich bin immer mit mir zusammen!“, so begann die Begegnung mit dem komplett Anderen, ein so liebevoller Mann, dunkelbraune schöne Haut und so positiv und sanft und ich hatte gar keine Angst. Doch die Außenwelt war laut, sie beleidigte, sie diskriminierte, sanktionierte uns mit Beleidigungen, Benachteiligungen und Gesetzen und tut dies bis heute.

 

80ger            Arbeit                       –                          Vertrauen oder Kontrolle

Nach vier Jahren als Sozial- und Drogentherapeutin machte ich eine Zusatzausbildung in EDV und Finanzbuchhaltung. Ich begann als Controllerin bei einem Berliner Softwarehaus, gestaltete Programme zur Stundenerfassung und Projektkalkulation, Kundenmanagement und Einrichtung eines Profitcenters. Ich schrieb Gedichte und veröffentlichte sie auf Städtereisen in poetischen Performances und dem Buch „Und das Wasser gräbt sich unter die Steine…“.

 

80ger           Afrika                        –                   Globali- oder „Terrorisierung“

Ich reiste mit meinem Mann zwischen den Kontinenten, verschiffte Container mit Waren, und bauten ein Haus in Kumasi. Afrika war so ganz anders, als was in Europa gelehrt und erzählt wurde. Vor allem die Menschen, sie waren so anders und doch genauso wie überall. Ich erkannte die Abhängigkeit der afrikanischen Länder von der Dominanz der Alt-Kolonialstaaten, die zwar im 2. Weltkrieg ein Teil ihrer Macht über Afrika verloren hatten, doch bis heute sich nicht scheuen, durch wirtschaftlichen und militärischen Terror, Land und Märkte zurückzuerobern. Ich begriff nur langsam, welch große Vernichtung sie vierhundert Jahre lang über Afrika brachten.

 

90ger          Mutterzeit                  –                            Lehrerin oder Belehrte

1989 kam in Afrika meine Tochter zur Welt, die ich in Berlin aufzog. Das überwältigende Vertrauen des Kindes in Mutter und Vater, lehrt uns Eltern die Chance, G‘tt ähnlich zu werden. Dies können wir jedoch nicht, indem wir das Kind beherrschen und zu unserem Eigennutz formen, sondern wir müssen das Kindes in seiner Andersartigkeit erkennen, um es auf seinen eigenen Weg zu begleiten und zu beschützen. Meine Tochter lehrte mich nicht nur Geduld, sondern Vernunft, Vertrauen und die überraschende selbstlose Liebe.

 

90ger          Jüdisch sein               –                    Vertrauen oder Bestimmung

An was glaubt der Mensch oder an wen? Was sind die Werte, wer ist die Quelle deines Lebens. Durch die afrikanischen Menschen und ihrer Verbundenheit mit G‘tt wuchs auch mein Vertrauen zu dem EINEN, zu der einen Ursache allen Lebens, ihre Emanation in die Schöpfung der Welt. Das Bekenntnis zum jüdischen Glauben bedeutet das Lernen der „Unwichtigkeit des eigenen Egos“ und das Lernen der „Bedeutsamkeit des eigenen Tuns“ für den Nächsten, Anderen, den Fremden, die Umwelt und die Schöpfung. Dies führte mich in die jüdische Gemeinde, als Mitbegründerin der egalitären Synagoge „Beth-Or“ – Haus des Lichts, in der meine Tochter zur Bat Mizwa wurde.

 

90ger          Mit-Ein-Ander            –                      oder Inform-/Kommunikation

Das Softwarehaus wuchs und mir wurde das IT-Management und die internationale Vernetzung übertragen. Nach dem Verkauf an der Börse wurde die Firma durch Texas Instruments übernommen. Doch wohin entwickelte sich die immer perfekter werdende Vernetzung der Information und Kommunikation, dieses Baumes der Erkenntnis, etwa zu einem Pool von mehr Menschlichkeit und Frieden? Hat nicht diese Ballung von Informationen zur größten Anhäufung von Macht, zu mehr Verwirrung, Streit, Hass und Krieg geführt? Wenn der Mensch nur den Weg der Logik und des Nutzes geht und sein AndersSein leugnet, gibt es keinen Respekt und wahres Miteinander, der Baum des Lebens bleibt für ihn verschlossen.

 

2000der      Fairer Handel             –                        Markt oder Menschlichkeit

Kurz vor der Finanzkrise eröffnete ich einen Weltladen. Die Waren kamen von Einzelpersonen, welche Produkte ihrer Familien aus 100 verschiedenen Dörfern der Welt (Afrika, Asien, Südamerika) nach Berlin brachten. Jede Ware hatte ihre eigene Geschichte, jedes Produkt seine eigene Fantasie, jedes Ding seinen eigenen Geschmack und Geruch zum Liebhaben und dadurch einen besonderen Wert. Ein Wert, der durch die Entstehung und Erzählung bestimmt wurde und nicht durch Ausbeutung und Profit. Eine kleine Oase in der globalen Krise des sinnlosen Konsums.

 

2010ner     Fluch der Väter           –                                       Flucht der Kinder

Wie kommt es zum Krieg (ist die Gier nicht als Motivation darin enthalten)? Krieg kommt von kriegen, d.h. wegnehmen durch Zwang, Täuschung oder Betrug. Mittel des Krieges sind Verleumdung, Entrechtung, Kriminalisierung, Erniedrigung und die Sanktionierung durch Entziehung der Lebensgrundlagen Anderer (Menschen). Diese Mittel ermöglichen es den Kriegsführern, sich selbst im „Recht“ und den Anderen als „Nichtmensch“ zu sehen, um eigene Ausübung von Gewalt zu rechtfertigen. Es ist immer dasselbe Muster, jeder Krieg (auch der kleine persönliche) endet in Vergewaltigung, Mord und Vertreibung, die Folge ist die Flucht. Flüchtende zu diskriminieren ist ein großes Vergehen und gefährdet die allgemeinen Menschenrechte. Mit der Genfer Flüchtlingskonvention 1951/67, wurde die UNHCR von 148 Staaten damit beauftragt, weltweit Menschen, die auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg und Gewalt sind, zu schützen und zu unterstützen: https://www.unhcr.org/


Text: Eliana

Bilder: Persönliches Archiv von Eliana


Was bist du?

„Was bist du?“

Unter diesem Motto starteten zwei Sitzungen des 9en-Kurses per Zoom in die digitale Variante des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“. Gemeinsam mit unseren Gästen Ron und Anni, stellten wir uns – nach einer bewusstmachenden Übung zu Ich-Aussagen – Fragen wie:

Welche Ich-Aussage hat sich wann entwickelt? Was hast du getan, weil es dir besonders wichtig war? Wie hast du diesen Teil deiner Identität entdeckt? Was war dabei der Auslöser? Was würdest du gerne in Zukunft noch erreichen?

Dort, wo die SuS am stärksten betroffen waren, wurde mehr erzählt und nachgehakt. So gab es einen Fokus auf Religion und Glaube, der von Ron mit dem überreligiösen Weltbild der Humanität und einer starken Orientierung an Lesen, Schreiben und Gesprächen verknüpft wurde. Zusätzliche interessierte im Gespräch das Thema Sexualität inklusive Asexualität.

Die Stimmung im Raum war, wegen des digitalen Formats mit fehlenden oder deaktivierten Kameras bei den Schüler*innen, schwer zu deuten. Allerdings beteiligte sich ein Großteil der Gruppe durchgehend. Als Einzelne seinen Besuch durch sexualisierte Bemerkungen störten, hat Ron ihnen explizit vergeben. Das fand ich stark. Gleichzeitig hat mich seine klare Positionierung als lebenslang areligiöser Humanist erfreut.

Ich bin selbst eine Person, die lange mit dem eigenen Körperbild – auch im Kontext von Sexualität – gerungen hat. Außerdem sehe ich mich als Menschen, der seine Werte behalten und entwickelt, aber seinen Glauben abgelegt hat. Verständnis von einer erfahrenen Person hätte mir damals bei beiden Entwicklungsprozessen geholfen, früher meine eigene Position zu vertreten und mit erhobenem Kopf durch die Welt zu gehen. Ich hoffe, meinen Schüler*innen durch die Botschafter*innen solche Chancen zu eröffnen. Deswegen hat es mich auch besonders gefreut, als Ron ihnen anbot, auch über das Erzählcafé>>> hinaus in Kontakt zu bleiben. Während des Gesprächs verging die Zeit wie im Flug. Plötzlich saßen wir schon in der Reflexionsrunde. Die klare Mehrheit wünschte sich, dass Ron und Anni wiederkommen und Einzelne gaben sogar an, Erkenntnisse>>> für/über den eigenen Lebensweg erhalten zu haben.



Autor: Philipp Giesinger, Lehrer an der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve

Bild: Anni Velkova-Rehm


Ron Manheim: Die Teile meiner Identität

Es war eine ganz neue Erfahrung: Ein Gespräch, das wir – die mir vertraute Projektleiterin Anni Velkova-Rehm, der Lehrer Philipp Giesinger und ich – mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern einer Gesamtschule führten, die ich gar nicht kannte. Darüber hinaus konnte ich sie, mit einer Ausnahme, auch nicht sehen, Corona-bedingt natürlich: wir trafen uns „online“.

Alles drehte sich um Identität: „Wer bin ich?“, lautete die zentrale Frage für alle, auch für Anni, den Lehrer und für mich. Da waren alle gleich! Und das funktionierte.

Meine Beteiligung hatte mit meiner vielleicht nicht ganz alltäglichen Identität zu tun. Ich konnte erzählen über einen Weg, der mich aus einem Armenviertel der 1940er Jahre in Amsterdam hinausführte, zunächst zur Rolle eines Grundschullehrers, dann zum Kunsthistoriker. Aber auch konnte ich darlegen, wie ich zum Judentum gekommen bin. Das heißt, zu einer sehr engen Verbindung zur jüdischen Geschichte und Kultur, wenn auch nicht zum Glauben. Was wohl vor allem daran liegt, dass meine jüdischen Großeltern in Auschwitz ermordet wurden, ich sie gar nicht habe kennen lernen und sie mir nichts haben beibringen können.

Aber auch Anni und der Lehrer beteiligten sich an der Vertraulichkeit der Selbstaussage, ebenso wie einige von den teilnehmenden Schülern und Schülerinnen, die frei von ihren Zukunftsplänen erzählten.

Was mir bleibt: Der Wunsch, einmal in vertrauter Runde, aber real – in einem „analogen“ Gespräch“ mit diesen jungen Menschen zusammenzukommen!

Diese Punkte zeigen, was die SchülerInnen vom Gespräch mit Ron mitgenommen haben

Text: Ron Manheim

Screenshot: Anni Velkova-Rehm


 

 

Ein Weg, geprägt von der Holocaustgeschichte, einer Kindheit im Proletariat, Lernhunger und Unternehmensfreude…

Ron Manheim

 

Ego sum

 

Kurzbiographie:

Geb. Jan. 1943 in Amsterdam, jüdischer Vater

Sept. 1943 Vater deportiert. Überlebte Auschwitz und Mauthausen; kam Juli 1945 zurück

Aufgewachsen in Armut, in einem Arbeiterviertel in Amsterdam

Lernte nach der Grundschule u.a. Französisch, Englisch und Deutsch

Ab 1960 Vorstandsmitglied einer Jugendorganisation, die sich u.a. für internationale Verständigung einsetzte

Durch großen Lernhunger brachte ich es 1962 zum Grundschullehrer

Durch Fernstudium 1973 Deutschlehrer

Dann: Studium Kunstgeschichte an der Uni Nimwegen

1985-1991 dort Dozent für Kunstgeschichte

1991-2008 Stellvertretender Direktor Museum Schloss Moyland

Seitdem freischaffender Rentner

2010 Initiative „Haus der Begegnung – Beth HaMifgash“

 

Sonstige Tätigkeiten und Interessen:

Freier Ausstellungskurator, freier Übersetzer (D>NL und NL>D), Autor

Jiddisch, Botanik, Politik, Geschichte, Literatur, Singen, Flöte spielen

 

Gesprächsthemen:

Was macht die Holocaustgeschichte mit einem Menschen, der überlebte, aber um den Tod zahlreicher naher Verwandter weiß?

Was macht lernen mit einem?

Was bedeutet die Kindheit im Proletariat für einen Akademiker?

Wie man durch Hilfe für andere geistig bereichert.


Text: Ron Manheim

Bilder: Persönliches Archiv von Ron Manheim