Herzlich willkommen!

 

Zunahme an diskriminierenden Äußerungen und Straftaten in der Region Kleve 7 Jugendliche heute: Leben in zunehmend sozial homogenen Gruppen!

Diesen möglichen Entwicklungen will das Integrationsprojekt „BotschafterInnen der Vielfalt“ entgegenwirken.


Ob als SchülerIn, LehrerIn oder BotschafterIn: JedeR kann viele Facetten der Vielfalt hautnah erleben und auch dazu beitragen, Vorurteile und Ungleichheiten abzubauen. Und nicht zuletzt wird es Spaß machen, von anderen Kulturen, Ländern und berührenden Lebensgeschichten zu erfahren! Nicht nur Perspektivwechsel und Horizonterweiterung werden so ermöglicht, sondern auch das Lernen in der Schule kann neue Dimensionen erschließen. Herzlichst eingeladen sind Sie bzw. bist Du, Teil dieser Entwicklung zu sein!


Mehr zum Projekt „BotschafterInnen der Vielfalt“ >>>

Mehr zu den BotschafterInnen  >>>

Mehr zu unserem Angebot an den Schulen >>>

Ein Großteil unserer Projektarbeit zeigen die Blogbeiträge unten.

Mehr über unseren Projektblog >>>

Für nähere Information kontaktieren Sie bitte Anni Velkova-Rehm (Leiterin des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“)

Für technische Fragen steht zur Verfügung Svetlana Buhlmann.

Weltenbummeln und Vorurteile loswerden

Mit einer Portion Neugier, Wissensdurst und Abenteuerlust zu mehr Toleranz, Chancengleichheit und Frieden.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Reisen nicht nur Einblicke in fremde Kulturen und Bräuche bietet, sondern auch zu mehr Toleranz führen kann. Raus aus der Comfort Zone, über den eigenen Tellerrand schauen, hinein ins Leben.  

Diskriminierung, Antisemitismus und das Be- und Verurteilen von Menschen, die gegen den Strom schwimmen oder einfach ein komplett anderes Leben führen, nehmen leider mit großer Sorge stetig zu. Wie können wir Kindern und Jugendlichen andere Werte, Kulturen und Glaubenssätze näherbringen, ohne dabei zu urteilen? Vorurteilsfreie Begegnungen mit offenen Armen und gelebte Toleranz lassen sich u.a. im Reisen erfahren.


Text, Bilder: Sarah Poruks
Redaktion: Anni Velkova-Rehm


Die Kinder von Myanmar

Das Hauptthema dieser Begegnung mit SuS der fünften Klasse waren die Kinderrechte. Das ist ein sehr umfangreiches Thema. In wenigen Ländern der Welt werden die Kinderrechte eingehalten und respektiert. In einem kommunistischen Land aufgewachsen, hatte ich selbst keine Kinderrechte genossen. Und es ist mir wichtig, dass es den neuen Generationen bewusst wird, dass deren Rechte keine Selbstverständlichkeit sind. Ein gutes Beispiel für ein Land mit fehlenden Kinderrechten ist Myanmar. Ich habe selbst dieses ostasiatischen Land besucht und teilte im Unterricht meine Eindrücke mit den SchülerInnen.

Anhand von Bildern wurden der SchülerInnen die Lebensumstände der Kinder in Myanmar geschildert. Die Kinder in diesem ostasiatischen Land leben in Armut, die Meisten ohne Zugang zu einer schulischen Ausbildung.  Oft müssen sie im frühen Alter ihre Familie verlassen, um in einem Buddhistischen Kloster das Schreiben und Lesen lernen zu können. Für die meisten Kinder endet das Kindsein in einem Alter von vier oder fünf Jahren. Dann fangen sie an zu arbeiten – an Häfen, in Restaurants, in Fabriken, im Straßenbau, etc.

Die SchülerInnen sollten anhand der Bilder und diesen Schilderungen erkennen, welche Kinderrechte in Myanmar verletzt werden.  Die SchülerInnen waren auf das Thema vorbereitet und haben sich sehr schnell und richtig orientiert.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Danach behandelten wir die Frage:

Warum leben diese Kinder so?

Einige der Hauptgründe sind die politische Lage, das fehlende Sozialsystem, der Armut.

Bei dieser Diskussion wurde auffallend, dass einige der SchülerInnen die ganzen Probleme der Kinder von Myanmar auf das Geld zurückführten und ihre Eltern als Geringverdiener bezeichneten. Denen war es nicht bewusst, dass die Gesellschaften anderer Länder auf unterschiedliche Prinzipien aufgebaut sind. Und dass die Kinderrechte nicht überall auf der Welt gegeben und eine Selbstverständlichkeit sind.

Demzufolge finde ich es notwendig, durch verschiedenen Aktivitäten den SchülerInnen die Vielfalt der Länder zu zeigen und ihnen bewusst zu machen, dass für die Aufbewahrung der Demokratie und der Kinderrechte jeder von uns jeden Tag aktiv arbeiten muss.


Text: Maria Brauchle

Screenshot: Anni Velkova-Rehm


Kamerun und meine Mutter

Ich habe zum ersten Mal bei diesem Projekt mitgewirkt bzw. mich als Botschafter zur Verfügung gestellt. Inspiriert an dem Projekt teilzunehmen hat mich die Möglichkeit, mit meiner persönlichen Geschichte und Erfahrungen einen wertvollen Beitrag zum kulturellen Verständnis leisten zu können.

Der Schwerpunkt des Vortrages richtete sich auf die Frau in der Gesellschaft und Familie in Kamerun. Für mich stellt es ein sehr wichtiges Thema dar, da die Rolle der Frau bzw. Mutter oft unterschätzt wird, aber immens wichtig für die Gesellschaft ist. Zudem habe ich schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter gehabt. Bis heute hat mich ihre Erziehung sehr geprägt und ich bin ihr von Herzen dankbar – für das, was sie alles für mich getan hat.


Die Projektvorbereitung hat sehr gut geklappt und die Projektleitung hatte immer ein offenes Ohr für Fragen und Anregungen. Mich hat es sehr gefreut, welches Interesse und welche Offenheit und Neugier die Schüler in Bezug auf kulturelle Fragen zeigten.


Text: Boris Kamdem
Bild: Persönliches Archiv von Boris Kamdem


Umgang miteinander auf Augenhöhe

Mir liegt es am Herzen, dass bereits junge Menschen Toleranz und Verständnis gegenüber anderen Kulturen und Ethnien entwickeln können, damit es später nicht zu fremdfeindlichen Denkmustern kommen kann. Deswegen möchte ich an diesem schönen Projekt teilnehmen.

Mein Name ist Boris, ich bin 34 Jahre alt und seit 2013 lebe ich in Deutschland. Nach meinem erfolgreich abgeschlossenen Studium im Fach Elektrotechnik in Deutschland, arbeite ich nun in der IT-Abteilung der HSRW in Kleve.

 

Mein Lebensweg war kein „Königsweg“ – Erfahrungen habe ich nicht nur mit schwierigen Lebensbedingungen gesammelt, sondern auch im Kampf gegen Verurteile.

Darüber möchte ich erzählen, um zu sensibilisieren für einen Umgang miteinander auf Augenhöhe.

Gerne erzähle ich auch von meinem Heimatland Kamerun – Familie, Gesellschaft und all dem, was die SchülerInnen interessiert!


Text: Boris Kamdem
Redaktion: Anni Velkova-Rehm

Bild: Persönliches Archiv von Boris Kamdem


 

Kopftuch – Symbol der Freiheit?!

Sehr geehrte Frau Velkova-Rehm, sehr geehrter Herr Dabi,

in dem folgenden Blogbeitrag würden wir, Larisa Homa und Emely Jansen, uns gerne für Ihren Besuch in unserer Klasse bedanken und Ihnen ein Feedback über den Austausch geben.

Vielen Dank von uns erstmal, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns über die Vielfalt aufzuklären. Wir finden es schön, wofür Sie sich einsetzen und wie viel Mühe Sie sich gegeben haben, den Austausch spannend zu gestalten. Wir haben alles gut nachvollziehen können, da Sie uns das Thema „Kopftuch“ gut näher gebracht haben. Ebenfalls fanden wir die anonymen Fragen gut, da man sich so getraut hat, eine ehrliche Antwort zu geben. Zudem sind Sie auf alle Fragen verständlich eingegangen.

Für den nächsten Austausch würden wir uns wünschen, das Thema „Stolpersteine“ zu besprechen. Warum sind diese Stolpersteine da? Was haben diese zu bedeuten? Wir finden dieses Thema sehr interessant, da es wichtig für die Bildung aller Kinder/Jugendliche ist, damit so etwas nie mehr vorkommt.

Seit dem Austausch, machen wir uns viele Gedanken über das Thema „Kopftuch“. Warum ist es in vielen Familien so wichtig, dass die Tochter ein Kopftuch trägt? Und warum gehen manche Familien so locker damit um, obwohl sie an die gleiche Religion glauben? Dies war eine Sache, die wir persönlich noch nicht ganz verstanden haben.

Zeichnung: Nele van Basten, Schülerin an der Gesamtschule am Forstgarten

Wir finden, dass im Alltag dieses Thema mehr normalisiert werden sollte. Wir können ebenfalls nicht nachvollziehen, warum Menschen mit Kopftuch heute noch, nach allem was schon passiert ist, diskriminiert werden. Es sollte in den Grundschulen schon normalisiert werden, damit Rassismus endlich ein Ende nimmt. Am Berufskolleg Kleve sollten Sie mit Ihrem Projekt in jedem Religionsunterricht einmal mindestens das Thema sein. Unsere Schule ist sehr tolerant gegenüber Frauen mit Kopftüchern, denn wir sehen immer wieder Schülerinnen mit Kopftuch, was wir persönlich super finden, allerdings sollte man trotzdem darüber sprechen und für Aufklärung sorgen. Ihr Projekt ist definitiv eine Bereicherung für unser Leben, da Sie mehr für Aufklärung sorgen und Menschen endlich toleranter werden könnten. Sie könnten einen Teil der Menschen umstimmen. Je mehr Menschen an Ihrem Projekt teilnehmen, desto mehr Auswirkungen hat dieses. Unsere Sichtweise hat dieser Austausch auf jeden Fall verbessert und wir wollen ebenfalls mehr Toleranz im Alltag sowie im Berufsleben und in den Schulen und Menschen sollten aufhören, Menschen die „anders“ leben, als Gefahr zu sehen. Dazu fällt uns ein, dass Sie vielleicht die Klischees aufklären könnten, wie zum Beispiel, dass Muslime Amokläufer wären. Wir finden es schade, dass in den Nachrichten immer nur „Ausländer“ schlecht dargestellt werden und die Deutschen meistens aus dem Internet rausgehalten werden, wenn etwas Schlimmes passiert ist.

Alles in einem würden wir sagen, dass der Austausch für uns wichtig und von Vorteil war und dass Sie eine super Präsentation über dieses ganze Thema gehalten haben.

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Emely Jansen und Larisa Homa


Text: Emely Jansen und Larisa Homa, Schülerinnen am Berufskolleg Kleve

Zeichnung: Nele van Basten, Schülerin an der Gesamtschule am Forstgarten


Warum ich die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt sehr schätze

Ich bin Annemarie Graven und Schülerin am Berufskolleg Kleve des Kreises Kleve. Ich hatte das Glück, vor ein paar Wochen im Religionsunterricht zwei Botschafter/innen der Vielfalt kennen zu lernen: Zum einen Frau Velkova-Rehm und zum anderen Herrn Dabi. Im folgenden Beitrag möchte ich mehr über meine Erfahrung mit den Botschafter/innen erzählen.

Das Gespräch konnte auf Grund der aktuellen Corona Lage nur digital stattfinden, dennoch hat es mir sehr gut gefallen. Es war ein sehr offenes und ehrliches Gespräch.

Es wurde zunächst das Thema „Kopftuch“ behandelt. Herr Dabi klärte uns über das Tragen des Kopftuches auf und warum es in seiner Religion so wichtig sei. Für mich als Christin war es zuvor eher schwierig, dieses Handeln zu verstehen, doch nach vielen Überlegungen und Informationen, die Herr Dabi uns mitgeteilt hatte, wurden es immer deutlicher. Ich würde behaupten, dass viele aus meiner Klasse nun besser damit umgehen können und auch verstehen, warum muslimische Frauen das Kopftuch tragen wollen.

Frau Velkova-Rehm informierte uns über das allgemeine Projekt der BotschafterInnen der Vielfalt und mit welchem Hintergedanken sie sich an die Arbeit macht. Sie möchte durch dieses Projekt unter anderem dafür sorgen, dass es weniger Ausschließung durch den religiösen Aspekt an unseren Schulen gibt. Sie erklärte uns auch einzelne Projekte des Vereins Mifgash, zum Beispiel, das Projekt der Stolpersteine.

Bei den Stolpersteinen handelt es sich um Pflastersteine, welche in der Klever Innenstadt, in Xanten, etc. zu sehen sind. In diesen Steinen sind Namen von jüdischen Opfern des Nationalsozialismus zu sehen, um an diese immer wieder zu gedenken. Mich persönlich interessiert genau dieses Thema besonders, da es wichtig ist, diese Zeit niemals zu vergessen, um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.

Ich hoffe, dass ich Sie, liebe Blogleser/innen, davon überzeugen konnte, wie gut und wichtig die Arbeit der BotschafterInnen der Vielfalt ist. Noch dazu ist es wichtig zu erwähnen, dass all diese Arbeit ehrenamtlich stattfindet. Ein Grund mehr, die Arbeit der BotschafterInnen besonders schätzen zu wissen!


Text: Annemarie Graven, Schülerin am Berufskolleg Kleve
Korrektur: Anni Velkova-Rehm

Bild zur Verfügung gestellt von Helga Ullrich-Scheyda


Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Das Kopftuch – ein Symbol der Freiheit oder der Unterdrückung?

 

Mit dieser Frage habe ich mich gemeinsam mit ca. 22 SchülerInnen (alle fast volljährig und mit unterschiedlicher religiöser Herkunft) in einem Religionsunterricht am Berufskolleg Kleve auseinandergesetzt.

Zunächst gab ich wichtige Informationen zum Tragen des Kopftuchs in Zusammenhang mit dem Islam.

Das Kopftuch ist eine Pflicht im Islam und ein Gebot, aber es ist keine Säule des Islams.

Jede Frau sollte die Freiheit haben, sich für oder gegen das Tragen des Kopftuchs zu entscheiden.

Wie wir alle wissen, es gibt Gebote und Verbote in allen Religionen.

Beispiele für Gebote im Islam sind: Das Kopftuch, Liebe zum Propheten, Ehren der Eltern, Spenden etc.

Beispiele für Verbote im Islam: Alkoholverbot, Rauchverbot, gesundheitsschädliche Praktiken, etc.

In der Bibel – im Alten Testament – steht, dass  Frauen ihre Haare nicht zeigen sollten.

Viele Leute interpretieren das Kopftuch unterschiedlich:

  • Religionsfreiheit
  • Persönliche Entscheidung treffen
  • Zeichen von religiöser Zugehörigkeit
  • Ähnlich wie bei einem Fußballspiel: Fußball Fans, zum Beispiel, ziehen alle gleiche Kleidungsstücke an, um zu zeigen, dass sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen.
  • Einfach persönlicher Wunsch, Kopftuch zu tragen
  • Schmuck und Mode
  • Tradition und Kultur
  • Zwang

Religiöse Vorurteile sind leider immer noch oft ein Bestandteil unseres Alltags. In diesem Zusammenhang haben die SchülerInnen mitgeteilt:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

Die wichtigste Frage bleibt, was jeder von uns tun kann, um negative religiöse Vorurteile zu mindern oder zu vermeiden.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Wir leben in einer Gesellschaft der Vielfalt, und ich finde, es ist besonders wichtig, dass wir einander gegenseitig respektieren. Noch wichtiger finde ich, dass wir unsere unterschiedlichen Kulturen so viel wie möglich teilen und als Quelle der Vielfalt nutzen, um einander zu bereichern. Wir können zum Beispiel gemeinsam an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen und sogar vielfältige Festen zusammen feiern usw.

Dabei spielen eine wesentliche Rolle die Erziehung zuhause, im Kindergarten, in der Schule, auf der Straße und natürlich die Bildung.

Ob wir alle im Frieden leben oder nicht – Eltern und die gesamte Gesellschaft tragen dafür Verantwortung meiner Meinung nach.

Ein Grund mehr, an Sitzungen dieses Formats teilzunehmen. Über die Meldungen der SchülerInnen, was sie von der Begegnung mit mir mitgenommen haben, freue ich mich sehr. Für den offenen und fruchtbaren Austausch bedanke ich mich herzlichst bei allen Teilnehmenden!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.


Text: Hassan Dabi

Redaktion, Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Auf dem Weg zu mehr Interreligiösem Dialog

Hassan Dabi

 

Nach vier Jahren Tätigkeit in der IT-Branche (bis 2014) habe ich mich entschieden, mich in einem komplett neuen Bereich beruflich zu entwickeln: als Sozialarbeiter/Pädagoge in der Flüchtlingsarbeit (2015 – 2017) und als interkultureller Coach und Berater beim Bildungsträger Neuss (seit 2019).

 

Was motiviert mich, an dem Projekt „BotschafterInnen der Vielfalt“ teilzunehmen?

Ich möchte gerne meine Kenntnisse – insbesondere im Bereich des Islams – vermitteln und meine vielfältigen Lebenserfahrungen teilen. Im Rahmen des Projekts „BotschafterInnen der Vielfalt“ erkenne ich die Gelegenheit, verschiedene Personen aller Religionen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen.

Offene Diskussionen und Dialoge zu Themen der Religion finde ich besonders spannend und wichtig, um Klarheit zu gewinnen und nicht zuletzt andere Meinungen zu erfahren.

Es ist wichtig über mich zu wissen, dass ich kein Islamgelehrter bin. Ich bin in einer normalen muslimischen Familie in Marokko geboren und aufgewachsen. Dazu gehört die für traditionell geprägte Muslime selbstverständliche religiöse Unterweisung meiner Kindheit in der Familie und manchmal auch in der Schule. Religiöse Erziehung geschieht indirekt dadurch, dass ich mich an islamischen Festen und Feiertagen beteilige und auch dass ich entsprechend Speise- und Reinigungsvorschriften des Islam praktiziere. Mit 14 habe ich mich intensiv mit dem Koran und auch mit Geschichte beschäftigt. Seit 30 Jahren lebe in Deutschland und praktiziere meine Religion ganz normal bzw. problemlos.

Ich glaube an „die Mitte und die Mäßigung“ und bin sehr offen für einen Dialog der Religionen.


Text: Hassan Dabi
Redaktion: Anni Velkova-Rehm

Bild: Persönliches Archiv von Hassan Dabi


Eine Begegnung zum Thema Zukunftswünsche und Lebensziele

 

Wann haben Sie sich zuletzt gefragt, welche Ihre Lebensziele sind?

Haben sich Ihre Ziele seit Ihrer Jugend geändert?

 

Diese und andere Fragen kamen auf mich zu, nachdem ich mich bereit erklärt hatte, als Botschafterin der Vielfalt in einem Präsenz-Unterricht über Zukunftswünsche an der Gesamtschule am Forstgarten teilzunehmen. Das war für mich eine sehr positive Erfahrung und ich hoffe auch für die SchülerInnen der 9. Klasse. Das Online-Treffen war eine Woche zuvor sorgfältig vorbereitet und an dem Tag des Unterrichts lief alles reibungslos. In diesem Blog-Beitrag möchte ich meine Erfahrungen den zukünftigen BotschafterInnen der Vielfalt mitteilen.

Anni Velkova-Rehm hatte mich eingeladen, als Botschafterin der Vielfalt an dem Projekt teilzunehmen. Diesen Vorschlag hatte ich mit großer Freude angenommen. Die Begegnungen mit Jugendlichen finde ich immer spannend. Besonders freue ich mich, wenn sie mit mir ihre Lebens-Ansichten teilen.

In der Vorbereitungsphase hatte ich durch Anni die folgenden Anregungen für unsere Begegnung von den SchülerInnen bekommen:

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Die Frage, welche Ziele ich als Jugendliche hatte, hat als erste meinen Blick gefangen. Meine Gedanken gingen zurück zu meinen jugendlichen Jahren. Ich hatte damals eigentlich nur Lebensträume gehabt. Manche dieser Lebensträume sind in Erfüllung gegangen, ohne dass ich was Konkretes dafür getan hatte. Meine wirklichen Lebensziele hatte ich mir erst Jahre später gesetzt.

Was ist ein Lebenstraum?

Was ist ein Lebensziel?

Wann wird ein Lebenstraum zum Lebensziel?

Zu diesen Fragen konnte ich mehrere Beispiele aus meinem Leben geben.

Ich ging auch die anderen Fragen durch und notierte mir weitere Anregungen für die geplante Begegnung:

  • Wofür wird Mut gebraucht – um sich ein Ziel zu setzen oder um es zu erreichen?
  • Welche Fähigkeiten werden gebraucht, um ein Ziel zu erreichen?
  • Wodurch zeichnet sich ein guter Job aus?
  • Welche sind die Vorteile und die Nachteile des Lebens in einem kleinen Ort?
  • Herkunft und Minderwertigkeitsgefühl.
  • Was mir über den kurdischen Bergen und über die Kurden dort von einem Freund erzählt wurde.

Die Begegnung verlief wie ein Gespräch in einem Café. Anni moderierte das Treffen und folgte den vorbesprochenen Punkten. Zu jeder Frage erzählte ich aus meiner Lebenserfahrung. Und der Philosophie-Lehrer Philipp Giesinger gab Informationen, wie die einzelnen Begriffe theoretisch definiert sind und welcher Teil der Philosophie sich mit denen auseinandersetzt.

Die SchülerInnen waren das Publikum. In dem Fall war das ein aktives Publikum. Manchmal stellten sie ihre Fragen direkt, oder sie beantworteten die von Philipp geposteten Fragen im Chat. Wie z. B.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Ich merkte das Interesse der SchülerInnen als sie die Frage beantworteten: Welche Fähigkeiten werden gebraucht, um ein Ziel zu erreichen? Ich hatte nur zwei Gründe von mir aus genannt.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Je größer die Schrift, desto größer die Übereinstimmung bei den Teilnehmenden untereinander. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.

Interessant, dass bei der Frage „Was glaubt ihr: Wofür wird mehr Mut gebraucht –  um sich ein Ziel zu setzen oder um es zu erreichen?“ die Mehrheit sich genau anders als ich entschieden hatte.

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do.

 

Das war für mich ein Zeichen, dass diese jungen Menschen ihre eigene Meinung haben, die nicht leicht zu ändern ist.

Mir ist aufgefallen: Noch können die Jugendlichen Lebensziele kaum erkennen – es sind häufig „nur“ Lebensträume, die selten von Selbsterkenntnis und strukturierter Planung getragen sind, sondern von Wünschen und Bildern. Das liegt daran, dass die SchülerInnen noch stark in von der Umwelt gesetzten Zielen leben – Lernzielen, Orga-Strukturen, schulischen Anforderungen. Hier gilt es Mut zu haben, in eine Prüfung zu gehen. Aber dieser Mut ist nicht der, den ich meine, wenn ich davon spreche, Mut zu haben sich wirklich ein Ziel zu setzen – abgeleitet vom Traum, mit Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis strukturiert und entwickelt.

 

Am Ende des Gesprächs zeigte ich ein paar Bilder von den kurdischen Bergen und Dörfern und gab die Erzählung eines Freundes, der dort als Tourist war, wieder.

Für mich war diese Begegnung sehr bereichernd. Es bereitete mir eine große Freude, dass die Jugendlichen Interesse am Unterrichts-Thema zeigten und bis zum Schluss aktiv blieben.

Ich hoffe, dass jeder der SchülerInnen etwas von meinen Erzählungen mitnehmen konnte, und dass sie nach diesem Treffen noch mehr Mut besitzen, sich große Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen!

Ich bedanke mich bei Anni und Philipp für die Einladung und die hervorragende Organisation!

Das Bild zeigt die Auswertung von SchülerInnen-Meldungen mittels app.sli.do. Die Kommentare der SchülerInnen sind nicht korrigiert.


Text: Maria Brauchle

Redaktion: Thomas Rehm

Bilder: Persönliches Archiv von Maria Brauchles Freund
Screenshots: Anni Velkova-Rehm


Der Weg nach oben…!

 

Die Artikelüberschrift von einer Himalaya-Expedition wählte ich in meinen jugendlichen Jahren als Lebensmotto:

Für die mutigen führt der Weg immer nach oben!

 

 

Im sozialistischen Bulgarien geboren, von russischen LehrerInnen streng erzogen, hatte ich kurz nach der Wende mein erstes Studium in BWL abgeschlossen. „Mein Weg nach oben ist frei!“ – dachte ich mir. Aber es kam anders. Eine heftige Hyperinflation hatte das Leben in meiner Heimat sehr schwierig und unberechenbar gemacht. In Deutschland fand ich Zuflucht. Meine Vorstellungen über das kapitalistische Deutschland änderten sich um 180°. Ich habe Deutschland vor und nach der Einführung des Euro erlebt.

Demokratie ist keine Gegebenheit, jeder einzelne Bürger sollte sie tagtäglich aufrechterhalten.

In dem neuen Land lernte ich zuerst die Sprache, danach habe ich hart gearbeitet und dadurch mein zweites Studium in Mathematik finanziert. Kein leichter Weg und trotzdem hatte ich Erfolg, denn ich habe fest daran geglaubt:

Jemand, der ein Ziel vor Augen hat, kann alles erreichen!

Und auch wenn der Weg nach oben in Bulgarien – im ärmsten Land der EU – eine echte Herausforderung sein kann, gehöre ich zu den Glücklichen, deren beruflicher Weg von Erfolg gekrönt ist. Ich lebe zugleich meine Berufung und meine Liebe zur Mathematik: Auf eine Entdeckungsreise in der wunderschönen Mathematikwelt nehme ich jeden mit, der selber auf innovative Wege – durch dynamische Mathematik Software – mathematische Zusammenhänge finden möchte.

Meine Arbeit macht mir viel Spaß und ich glaube fest daran:

Jeder Beruf kann sehr spannend sein, wenn man sich zum Ziel setzt, jeden Tag sich zu verbessern!

Zurückblickend würde ich meinen Weg nach oben als ein Weg des Lernens und Lehrens bezeichnen. Sich unermüdlich weiterentwickeln und möglichst viel den anderen geben!

Und wie stellst Du Dir Deinen Weg nach oben vor?


Text, Screenshot: Maria Brauchle
Redaktion: Anna Velkova-Rehm

Bilder: Persönliches Archiv von Maria Brauchle